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Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Rekonstruktion

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Als er im November 2008 den Wettbewerb zum Bau des Berliner Stadtschlosses gewann, war er der große Unbekannte: In Wahrheit ist der italienische Architekt Frank Stella viel zu klein. Von Christian Thomas

Er war im November des vergangenen Jahres der große Unbekannte, groß, weil er den Wettbewerb zum Bau des Berliner Stadtschlosses gewann. Unbekannt, weil er, der Monumentales stemmen möge, nicht einmal Insidern (ob Architekturkollegen oder -kritikern, da waren sie sich einig) ein Begriff war. Und Franco Stella, von dem man am Tag der Entscheidung so viel wusste, dass er aus Vicenza, der Stadt Palladios, kam, blieb geheimnisvoll.

Seit gestern stellt sich das Bundesbauministerium dem Vorwurf fundamentaler Verfahrensfehler. Der Wettbewerbssieger hätte erst gar nicht zum Wettbewerb zugelassen werden dürfen, da der Architekt (das auffällig "kleine Büro von Franco Stella"; FR 29.11.08), zwischen 2004 und 2006 weder einen notwendigen Jahresumsatz von 300.000 Euro nachweisen konnte noch die mindestens drei geforderten Mitarbeiter. Nicht einmal drei? Wer kocht da den Kaffee, damit die Hände frei sind für eine Bauaufgabe mit einem Volumen von 553 Millionen?

Die sich ergebenden Fragen richten sich an das Bundesbauministerium ebenso wie an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das den Wettbewerb organisierte. Wahrhaftig, eine Rekonstruktion wäre gut, um nicht zuletzt den Gerüchten über Netzwerke entgegen zu treten, wonach deren neokonservatives Filigran im Falle Stellas von Berlin bis nach Italien gereicht haben soll.

Sollte es so sein, dass Stella getäuscht hat? Das Bundesministerium beruft sich gegenüber der FR auf eine "Selbstauskunft" Stellas: "Auf diese Angaben haben wir wie bei allen anderen Wettbewerbsteilnehmern vertraut." Vertraut oder geprüft?

Prüfungen "im Vorfeld des Vertragsabschlusses" seien "positiv verlaufen". Für diesen wurde das Alleinstellungsmerkmal Stella mit dem Büro von Hillmer & Sattler und Albrecht zusammengespannt, um den Nagelneubau bewältigen zu können. Das ist deswegen ein klein wenig abenteuerlich, weil das Büro es mit seinem eigenen Vorschlag nicht wirklich weit in der Stadtschlosskonkurrenz gebracht hatte. Absehbar ist: Wenn nur ein Architekt und unterlegener Konkurrent klagt, ist das ganze Stadtschlossverfahren absolut dahin. Was dann auf die Destruktion folgt, wäre die Rekonstruktion eines Wettbewerbs.

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