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Rechtzeitig bremsen hilft - wenn das nicht klappt, nicht kommt Dad.

Times mager

Dad rettet uns, solange wir klein und dumm sind

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Papis haben Reflexe, mit denen sie ihren Nachwuchs vor allem bewahren, was geschehen könnte.

Das arme Mittelgebirge draußen vor der Stadt. Jetzt ist wieder die Zeit, in der es durchpflügt und durchsägt wird von Motorradfahrern auf ihren heißen Öfen und Bergab-Radsportlern auf ihren Stollenreifen. Kurz und klein wird es gefahren, das unschuldige Gebirge. Rotkehlchen, Mönchsgrasmücken und andere Anwohner halten sich die Ohren zu, sofern sie welche haben. Hirsch und Hase sehen einander kopfschüttelnd an und verstehen sich ohne Worte: Weißt du noch – früher waren wir hier das Wild!

Väter reißen in letzter Sekunde ihre Kinder aus der Schusslinie zu Tal stürzender Karbonrahmenakrobaten. Da zeigt sich ihre spezielle Begabung, der ein ganzes Genre von Ultrakurzfilmen gewidmet ist: „Dad reflexes“ heißt es, also: Reflexe der Papis, mit denen sie ihren Nachwuchs vor allem bewahren, was geschehen könnte. Im Kurznachrichtendingens Twitter sind einige der heldenhaftesten Rettungstaten zusammengeschnitten.

Da lässt eingangs ein Mann fallen, was er gerade liest, um per Ausfallschritt einen strauchelnden kleinen Jungen aufzufangen – drei Zentimeter vor dem Aufprall auf eine Mauer. Im nächsten Film fliegt eine kleine Kunstturnerin vom Reck, und zwar in einem solchen Affenzahn, dass sie übers Mattenende hinaus auf den blanken Hallenboden … wenn nicht ein Mann (sicher Dad) sie auffinge und, damit sie nicht doch noch Bodenkontakt hat, selbst einen beachtlichen Salto hinlegte, das Kind einhändig mit sich führend.

Schnitt. Dad und Baby verlassen das Haus, eine Gefahr naht (hier: Dackel!). Dad verjagt das Biest. Schnitt. Ferngesteuertes Geländeauto kommt schräg von Rampe ab und saust auf kleines Mädchen zu – Dads Hand wehrt das Geschoss einen Fingerbreit vor dem Gesichtchen ab. Schnitt. Autowerkstatt. Kind geht tagträumend auf Schacht zu – wer schnappt es, als bereits ein Fuß überm Abgrund schwebt? Eben.

Mehrmals klauben die Papis ihre kleinen Engel vom Fahrrädchen, und zwar exakt in dem Sekundenbruchteil nach dem Aufprall des Vorderrädchens auf ein Hindernis (parkendes Auto o.ä.) und vor einer etwaigen Einwirkung auf Kindes Körperchen. Ein Dad fängt seinen Hans-guck-in-die-Luft just in dem Augenblick auf, bevor er in einen lichterloh brennenden Grill stürzte. Ein anderer hat ein Kind im Arm und fängt mit der freien Hand Kind Numero 2, das gerade wie der Blitz von einer Schaukel schießt. Einmal scheint alles verloren, aber der schlafende (!) Dad schnappt das vom Sofa kippende Baby doch noch. Es ist atemberaubend. Dazu flotte Musik.

Was lernen wir? Dad rettet uns, solange wir klein und dumm sind. Wir großen Dummen müssen leider selbst aufpassen.

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