Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wer seinem Gegenüber im Zug aufmerksam zuhört, weiß: Die Dampfschifffahrt hat die Nutzung des Rheins binnen weniger Jahre vollkommen verändert.
+
Wer seinem Gegenüber im Zug aufmerksam zuhört, weiß: Die Dampfschifffahrt hat die Nutzung des Rheins binnen weniger Jahre vollkommen verändert.

Times mager

Redefreude

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Eine Legende: dass zahllose Rheinschiffer weiterhin die Hälse nach der Loreley gereckt hätten, und zwar im Vollbewusstsein von Strudeln und Felsenriffen.

Der Reisende A muss von Mainz Hbf an den Redefreudigen nicht ausdrücklich betonen. Er ist so, seit Bingen ist klar, es ist seine Natur. Darüber wird der IC 2022 zu einem Ort, in dem sich eine Episode an die andere reiht. Im Nachhinein, sich erinnernd, kann vielleicht kein Mitreisender mit Bestimmtheit sagen, ob sich das Zwiegespräch zwischen St. Goar und Boppard wirklich so ereignet hat. Welcher Großraumreisende wollte später beschwören, wie genau dem Redseligen der Mitreisende zuhörte, und ob ihm, dem Reisenden B, die Aufmerksamkeit anzusehen war. Obwohl: So sah das schon aus, dass er wohl interessiert war die ganze Zeit.

Oder etwa nicht?

Ja, sagt B, das sähe er auch so, zweifelsohne! Denn die Entwicklung auf dem Dampfschifffahrtssektor habe die Nutzung des Rheins binnen weniger Jahre vollkommen verändert. Die Binnenschifffahrt, mit anderen Worten. Man möchte nicht wissen, was auf diesem Gebiet der industriellen Revolution mit den Rheinschiffern vor sich gegangen sei, und was diese Revolution obendrein unter den Anrainern angerichtet habe. Ich sag’s Ihnen, sagt A, der die Initiative wieder in die Hand nehmen möchte, und um es zu unterstreichen, tippt er mit dem Mittelfinger seiner rechten Hand an den Daumen, den Zeigefinger und den Mittelfinger seiner linken:

Schwindel, aber was für einer

Beschleunigung, Hektik, Stress. Summa summarum, und Mittelfinger und kleiner Finger berühren sich: Schwindel, aber was für einer, nicht der romantische Rausch, nicht süßer Taumel. Die Verhältnisse seien aus dem Gleichgewicht geraten, man könne sich heute kaum noch vorstellen, wie der frühkapitalistische Kreislauf für eine ungeheure gesellschaftliche Gleichgewichtsstörung gesorgt habe, mal so gesagt, sagt A. Hoch oben, auf dem Felsen, habe die Dichtung ein entrücktes Fabelwesen installiert, während tief drunten im Tal die neue Zeit heraufgezogen sei, im Grunde schlimmer als jede Stromschnelle. Der IC-Reisende A: Und er sage noch etwas.

Und so sagt A, dass zu den großen Konfusionen der Loreley-Beschäftigung die Legende zu zählen sei, dass zahllose Rheinschiffer weiterhin die Hälse nach ihr gereckt hätten, und zwar im Vollbewusstsein von Strudeln und Felsenriffen, aber zugleich vollkommen unempfindsam für die eigentlichen Gefahren, und was diese horrende Unempfindsamkeit angehe, damit meine er die Strudel der industriellen Revolution.

Wobei, das mit den Hälsen sei die Legende, die Untiefen der industriellen Revolution dagegen seien mitnichten eine gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare