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Times Mager

Rebellion

  • VonHans-Jürgen Linke
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Anelkas Ablehnung seines Trainers klang zwar ungeschliffen, war aber unverkennbar französisch. Insofern nämlich, als dies ein Aufruf war, gegen die Tyrannei aufzustehen. Von Hans-Jürgen Linke

Natürlich ging es auch um Fußball. Um Dinge wie Spielverläufe, Spielqualität, Stellungsspiel, Einsatz. Um Taktik, um Ergebnisse und all diese zurzeit so wichtigen Dinge. Aber in allererster Linie ging es um mehr, nämlich um das Prinzip Fußball. Also um die Mannschaft und den Trainer, um das Land und seine Gegner, um die Hoffnung für die Menschheit, die vom Fußball ausgeht, und um die wichtige Frage, ob erfolgreicher Fußball auch ohne Trainer möglich ist.

Kein, oder sagen wir: kaum ein Deutscher kann sich das vorstellen, aber unsere Nachbarn setzen solche Fragen von Zeit zu Zeit auf die Tagesordnung: An die Waffen, Bürger! Formt eure Bataillone, gegen uns steht die Tyrannei der Trainer und Funktionäre, auf dem Platz der Revolution aber wird das alte Gerüst wieder aufgebaut, das Volk wird die Ketten der Sklaverei abschütteln und am Ende siegen!

Auch wenn Nicolas Anelka seine Ablehnung des Trainers und zumindest eines Teils des französischen Fußball-Systems nicht ganz so geschliffen, ("va te faire enculer") formuliert hat, der Hintergrund ist unverkennbar französisch. Zum Vergleich: Als vor Jahren ein aufständisch gesinnter deutscher Torwart während einer Weltmeisterschaft den Trainer angriff, wurde lediglich das Wort "Suppenkasper" ruchbar, das nun wirklich keinen Ansatz für revolutionäre Gefühle enthielt. Die Abreise des Tormannes erfolgte vergleichsweise geräuschlos.

Die Équipe tricolore aber macht die politische Dimension im Fußball wieder bewusst. Die Mannschaft, geformt nach dem Vorbild der archaischen Bruderhorde, ist das soziale Gebilde, in dem die Rebellion der Gleichheit keimt. Wie es sich gehört, greift der Staat zu schweren Waffen, Staatspräsident und Sportministerin aber haben nur das Totschlagargument, die Rebellion sei lächerlich. Und genau das ist sie nicht, Bürger, Römer! Die Rebellion vom 1. Messidor des Jahres 218 war war nötig, besonders im Fußball, und im Staat sowieso! Und was für ein historisches Verdienst, dass es bei einem weltumspannend relevanten Ereignis dazu kam! Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.

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