Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Realsozialistisch

  • VonChristian Schlüter
    schließen

Was die Entstehungsbedingungen des Wortes "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" betrifft, muss doch wohl auch von Verzweiflung die Rede sein. Von Christian Schlüter

Es herrscht einige Verwirrung. Zur Zeit. Mal wieder. Und das alles nur wegen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes. Als ein einziges Wort erscheint es dem einen oder der anderen vielleicht etwas zu lang geraten, weshalb man ihm dann alle ästhetischen Qualitäten absprechen möchte und vielmehr zu der Meinung tendiert, dass es sich hier um einen eher bürokratischen oder technokratischen Begriff handelt. Um ein Monstrum also, dem eine gewisse Lieblosigkeit oder auch Nachlässigkeit deutlich anzumerken ist, was seine Entstehungsbedingungen angeht. Wäre es nicht etwas schöner oder wenigstens griffiger gegangen?

Wir möchten das nicht weiter vertiefen, aber darauf hinweisen, dass, was die Entstehungsbedingungen des Wortes Wachstumsbeschleunigungsgesetz betrifft, wohl auch von Verzweiflung die Rede sein muss. Niemand erfindet so etwas ohne Not. Zumal dieses Wort ja nicht für den internen Dienstgebrauch, sondern vor allem für politisch-propagandistische Zwecke vorgesehen war. Ende letzten Jahres wurde es vom Deutschen Bundestag beschlossen. Jetzt ist es da. Es soll uns Mut machen und Hoffnung geben. Es soll der Wirtschaftskrise und den Abstiegsängsten entgegenwirken. Es soll das, was uns als Schicksal hinzunehmen die letzten Jahre angewöhnt wurde, wieder als von uns gestalt- und verantwortbar erscheinen lassen.

Den Kapitalismus nicht hinnehmen - in dieser Perspektive erinnert das Wort Wachstumsbeschleunigungsgesetz nicht nur wegen seiner ungelenk ästhetischen Form, sondern auch seines politischen Inhalts ans realsozialistische Wirtschaften. Kurzum, das Wachstumsbeschleunigungsgesetz ist eine Art Fünf-Jahresplan. Unter einer christlich-liberalen Regierung, ausgerechnet, tritt etwas wieder in Kraft, dessen Überwindung unser System so verzweifelt alternativlos dastehen ließ. Nun taucht die Systemalternative im Herzen des Systems auf: Wachstum + Beschleunigung + Gesetz. Das ist in seiner szientistischen Anmutung Dialektischer Materialismus vom Feinsten. Nur dass hier der spieltheoretisch-mathematisch beseelte Szientismus des Ordoliberalismus in seinem Irrsinn endlich zu sich selbst und also auf den Begriff kommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare