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"Tanz der Vampire" konnte den jungen Fernsehzuschauer um Mitternacht ordnungsgemäß in Angst und Schrecken versetzen.
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"Tanz der Vampire" konnte den jungen Fernsehzuschauer um Mitternacht ordnungsgemäß in Angst und Schrecken versetzen.

Times mager

Realität

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Jene 25 Sekunden zwischen dem Aktuellen Sportstudio mit Harry Valerien und Dracula mit Christopher Lee machten alles möglich.

Dem Herrn brannte das Haupthaar. Dann wuchsen ihm, das Ganze in surrealen Pastellfarben, Riesenohren und Saurierhörner, während sein Kopf von links nach rechts durchs Bild fuhr. Gruselige Musik begleitete ihn, als er sich in flüchtende Fledermäuse zersetzte, bevor sein Haupt janushaft rotierte, mal ein Menschen-, dann wieder ein Robotergesicht präsentierend. Am Ende hob der Kopf als Rakete vom Restkörper ab, verlor erst die Ohren, explodierte dann vollends und hinterließ den Schriftzug: „Der phantastische Film“. Als Feuerwerk.

Damit war der junge Fernsehzuschauer um Mitternacht ordnungsgemäß in Angst und Schrecken versetzt. „Dracula“ konnte beginnen, oder der „Tanz der Vampire“, und wenn der Ansagerin Elftraud von Kalckreuth besonders schauerlich zumute war, bleckte sie am Ende der Programmvorschau noch einen Satz Blutsaugerzähne. Wer bis dahin nicht bibbernd hinterm Sofa lag, war schon über dreizehn.

25 Jahre sind vergangen, seit das Zweite Deutsche Fernsehen den 25 Sekunden langen Vorspann zum letzten Mal zeigte, produziert in der Optik der späten 60er Jahre und den Fernsehverängstigten von einst noch so präsent wie der dunkle Graf. Da schiebt er die Platte seiner Gruft zur Seite! Da beißt er der jungen Schönen in den Hals! Da naht van Helsing, unser Held!

Der Vorspann zum „phantastischen Film“ markierte schnittgenau den Übergang aus der Realität in die Zone, die nur zu betreten war, wenn die Eltern nicht zu Hause waren. Jene 25 Sekunden zwischen dem Aktuellen Sportstudio mit Harry Valerien und Dracula mit Christopher Lee machten alles möglich. Die Botschaft lautete: Es kann nun Jegliches geschehen.

Es wäre also nur folgerichtig, wenn fortan dieser Vorspann eingeblendet würde in jeder Zusammenfassung des DFB-Pokalfinals 2018. Schiedsrichter Felix Zwayer schreitet zum Videobeweis, dem pastellfarbenen Gruselmann schwirrt der Kopf, dann – Eckball! Und Mijat Gacinovic jagt als Professor Abraham van Helsing durch Nacht und Wind, die Menschheit vor den Blutsaugern zu retten.

Das ist es vielleicht auch, was die Menschen meinen, wenn sie sagen, sie brauchten noch Zeit, mehr als 25 Sekunden, viel mehr, um das alles zu realisieren. Die Glücklichen, auf die das Gold regnet. Und auch die, die nun ohne Lederhose dastehen.

Realisieren. Wir müssen das erst einmal realisieren. Wir gehen mal lieber direkt in die Umkleidekabine, um das zu realisieren. Oder wie ein anderer Wahlmünchner sagte, Wilhelm Busch: Stets findet Überraschung statt/ Da, wo man’s nicht erwartet hat.

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