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Den „Sir“ hatte sich Davies weniger mit seinen Bemühungen um Damenhandtaschen als vielmehr mit seinem Einsatz für die britische Musik verdient.

Times mager

Ray

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Ray Davies schrieb quasi den ersten Punksong, mit den vergleichsweise billigen Textzeilen „Mädchen, du hast mich wirklich jetzt, du hast mich so, ich weiß nicht, was ich tu“. Die FR-Kolumne „Times mager“.

Vor 15 Jahren wurde Raymond Douglas Davies von einem Straßenräuber angeschossen. Wenig später verlieh ihm die Queen den Orden „Commander of the British Empire“. Nicht direkt, weil er heldenhaft die Gangster verfolgt hatte, die mit der Handtasche seiner Begleiterin über alle Berge wollten, Gangster, die dann, irgendwie gentlemanlike, des Verfolgers Bein mit der Pumpgun anvisierten und keine seiner Musikerhände. Ob die Räuber ahnten, auf wes Schenkel sie schossen?

Na, kaum. Und nein, den „Sir“ hatte sich Davies weniger mit seinen Bemühungen um Damenhandtaschen als vielmehr mit seinem Einsatz für die britische Musik verdient. Es war nicht das erste Mal, dass ihm die Ritterschaft winkte. Zuvor hatte er abgelehnt, wie er dem „Uncut“-Magazin verriet.

Diesmal aber dachte er an die Elterngeneration, die durch den Krieg gegangen war, ihr Leben lang gerödelt hatte, um eine Linie reinzukriegen, und Gören großzog, denen nichts Besseres einfiel, als all das wieder in die Grütze zu reiten: „Ich nahm den Orden für meine Eltern, für meine Familie, sie waren begeistert.“

Wieso steht das fünfzehn Jahre später in der Zeitung? Weil Ray Davies, Chef der Kinks, heute 75 wird. Jeder musikalische Mensch weiß, dass die Kinks die besseren Beatles hätten sein können und Ray Davies zumindest ein ebenso berühmter John Lennon wie John Lennon. Es wissen dies sogar Leute, die zu besten Kinks-Zeiten noch in den Kindergarten gingen.

Davies schrieb quasi den ersten Punksong, mit den vergleichsweise billigen Textzeilen „Mädchen, du hast mich wirklich jetzt, du hast mich so, ich weiß nicht, was ich tu“ (1964, „You Really Got Me“) und einem Gitarrenriff, das die Welt veränderte. Sechs Jahre später erschrak man über seine Nummer mit einem Transvestiten: „Lola“ hatte es im Radio schwer – nicht so sehr wegen des anstößigen Texts, eher weil Coca Cola drin vorkam. Davies mochte eh nie seine Lieder im Rundfunk hören. Sie seien „so raus aus allem, so anders als alles“, sagte er – vor bereits 50 Jahren.

Die Kinks haben sich nie aufgelöst. Das Verhältnis der beiden wichtigsten Mitglieder, der Brüder Ray und Dave Davies (stets nahe am Einsatz einer Pumpgun), ließ physische Begegnungen jedoch nicht mehr ratsam erscheinen. Im vorigen Jahr hieß es, sie arbeiteten an einem neuen Album. Ob das offiziell sei, wurde Sir Ray gefragt. „Offiziell sind wir später im Pub“, antwortete er.

Der „Rolling Stone“ führt die Kinks unter den größten Musikern aller Zeiten auf Platz 65. Unverschämtheit. Happy Birthday.

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