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Randnotiz aus berühmter Feder: Ob Luther sein handschriftlicher Eintrag, entdeckt in einem Buch der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel, peinlich war? Wohl kaum: Es handelt sich um die unspektakulären Lebensdaten der Heiligen Elisabeth.
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Randnotiz aus berühmter Feder: Ob Luther sein handschriftlicher Eintrag, entdeckt in einem Buch der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel, peinlich war? Wohl kaum: Es handelt sich um die unspektakulären Lebensdaten der Heiligen Elisabeth.

Times mager

Randnotizen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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In Büchern sind die Randnotizen anderer Menschen das, mindestens, Zweitinteressanteste. Aber für den Notierenden allemal peinlich.

Wer ein Buch in der U-Bahn liest, sofern er noch U-Bahn fährt – sofern er noch Bücher liest –, ist in Sachen Privatsphäre halbwegs fein raus. Wieso nicht ganzwegs? Weil es immerhin eine sensible Angelegenheit sein kann, ein Buch zu lesen und nicht ein anderes Buch. Wer jetzt beispielsweise ein Strubel-Buch liest, macht nicht viel falsch.

Außer dass er ausgerechnet jetzt, da alle ein Buch der aktuellen Buchpreisträgerin lesen, ein Buch der aktuellen Buchpreisträgerin liest. Wie einfallsreich, mag die über die Schulter guckende U-Bahn-Gesellschaft denken.

Aber das ist Privatsphärenverletzung light. Das ist nichts gegen das Lesen von E-Mails oder SMS bei öffentlich einsehbarer Endgeräteposition, also mit dem Rücken zu irgendwem. Was gehen irgendwen meine E-Mails an? Lesen Sie hinter meinem Rücken gefälligst Ihre eigenen E-Mails. Oder ein Buch.

Das Ärgste allerdings, was passieren kann, ist das Lesen handschriftlicher Notizen von Person A durch Person B. Als vor fünfzehn Jahren einem Theaterkritiker mitten im Stück der Notizblock entrissen und darin geblättert wurde, versank der notizblockschreibende Teil der Menschheit mental im Boden bei der bloßen Vorstellung: Jemand liest allen vor, was ich mir notiert habe.

Ähnlich desaströs: wenn ein unfertiger Zeitungstext in falsche Hände gerät, also in irgendwelche anderen Hände als die eigenen. Manche Leute schreiben deshalb alles zunächst an einem Ort, an dem auf keinen Fall schon mal jemand einen Blick drauf werfen kann. Hoffentlich. Außer Zuckerberg. Man ist nicht blauäugig.

Soeben kam es zu folgendem Fall: Ein Kollege gibt dem anderen Kollegen ein Buch, über das der andere Kollege eine Rezension schreibt und in dem er sich Bleistiftnotizen macht. Nun will der andere Kollege das Buch zurückgeben und zuvor die Bleistiftnotizen ausradieren, aber der eine Kollege sagt: Lass doch drin, vielleicht interessieren die mich ja.

Hundertprozentig interessieren die ihn. Notizen in Büchern sind das Zweitinteressanteste, was Bücher zu bieten haben, mindestens. Aber will der Notierer sie preisgeben? Der eine Kollege, bekennender Liebhaber von Flohmarktbüchern wegen der Randnotizen, findet prompt ein Getwitter mit Randnotizen aus Flohmarktbüchern („I am definitely burning this book. Today.“, „Go to therapy dummy“, hier: Bukowski). Randnotizen sind ein Freudenfass ohne Boden. Solange es nicht die eigenen Randnotizen sind. Aber darf ich meine Randnotizen aus einem Buch radieren, das mir nicht gehört?

Ah, die Telekom hat tatsächlich wieder ein neues Telefonbuch ausgeliefert. Das könnte man mal in der U-Bahn lesen.

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