T-Rex in „Jurassic Park“: akustisch eher eine Bassposaune.
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T-Rex in „Jurassic Park“: akustisch eher eine Bassposaune.

Times mager

Quetzalcoatlus

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Neues aus der Welt der Dinosaurier – nebst einer gewagten Theorie, weshalb sie ausstarben. Die Kolumne „Times mager“.

Optisch ähnelt der Kiwi (Vogel) einer Kiwi (Frucht), in die jemand eine eckige Stricknadel gesteckt hat, aber akustisch einer Türe, deren Scharniere dringend geölt werden müssten. Aber wie soll man mit einem Schnabel singen, der so lang ist, dass er den Kopf runterzieht bis zum Wurmparterre, einem Schnabel, der einem praktisch überall nur im Weg rumgeht? Nicht einmal für den Stabhochsprung eignet sich dieser Schnabel, so dass der Kiwi auch nicht abheben und fliegen kann. Oder liegt es am Anlauf?

Aber eigentlich waren wir dieser Tage nicht am neuseeländischen Vogel, sondern an einem Satz hängengeblieben, der lautete: „Optisch war der Tyrannosaurus furchteinflößend, akustisch aber (!, d. Red.) ähnelte er eher einer Bassposaune“. Aber ist das nicht ziemlich passend, hätte er etwa wie eine Triangel oder eine Harfe klingen sollen? Eben. Trompeten und Hupen, die der Paläontologe Michael Habib als den dinosaurierschen Lautäußerungen vergleichbar herausgefunden haben will, lassen einen an Elefanten (groß) und SUVs (groß und fies) denken – Habib selbst auch an eine Blaskapelle, wenn mehrere Dinosaurierarten zum Gespräch zusammenkommen. Das ist ein wenig unfair der Blaskapelle gegenüber, die immerhin in der Regel probt, ehe sie in die Öffentlichkeit geht.

Ein französisches Forscherteam machte indessen eine (für Saurier) weit blamablere Entdeckung – und wäre der Quetzalcoatlus, ein Flugsaurier mit einer Flügelspannweite von mehr als zehn Metern, nicht lange schon ausgestorben, er würde vermutlich vor Scham schnell noch aussterben, ehe ihn der Mensch sowieso ausrottet.

Das Team des Forschungszentrums CNRS nämlich untersuchte die Areodynamik von heutigen Vögeln, aber auch des Quetzalcoatlus, von dem man bisher annahm, er habe Aufwinde genutzt, um auf seinen riesigen Schwingen bis zu zehntausend Meilen weit zu segeln (also locker Frankfurt-New York und zurück). Ein wenig rätselhaft war nur, wie er mit seinem (zu) schweren Körper abhob. Eine Hypothese lautete, er sei mit allen Vieren in die Luft gesprungen, eine andere, er habe sich wie ein Gleitschirmflieger von Klippen und Bergen gestürzt.

Inzwischen glaubt man: Quetzalcoatlus ist in der Regel zu Fuß gegangen. Wie sein Nachfahre, der Kiwi, der aber klug genug ist, alles ungefähr hundert Nummern kleiner zu halten. Wahrscheinlich sind die Dinosaurier also gar nicht wegen Meteoriteneinschlägen oder Temperaturveränderungen ausgestorben, sondern weil sie zusahen, wie Quetzalcoatlus abzuheben versucht – und sich irgendwann totgelacht hatten.

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