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Kreuze statt Pusteblumen? Hessen ist nicht Bayern
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Kreuze statt Pusteblumen? Hessen ist nicht Bayern

Times mager

Pustekuchen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Die Fragen, die das Leben plötzlich stellt: Woher kommt das Wort „Pustekuchen“. Und was hat das mit der Polizei zu tun?

Das gestrige Times mager endete mit dem Wort „Pustekuchen“. Das hatte zwar nachvollziehbare Gründe, ließ aber einige Fragen offen, wie sich bei einer informellen Nachbesprechung im Kollegenkreis zeigte.

Ursprünglich ging es dabei gar nicht um Pustekuchen, sondern um Pusteblumen, von denen in der Zeitung die Rede gewesen war. „Auf die Wände sind auf Anregung einer Sozialarbeiterin Pusteblumen mit davonschwebenden Flugschirmen geklebt worden“, und der zuständige Polizist habe auch verraten, warum: „Das idyllische Bild stehe für das Motiv ,Die Gedanken sind frei‘.“

Man sollte hinzufügen, dass es sich um die Zellenwände der neuen hessischen Abschiebe-Haftanstalt handelt, denn das Ganze erschließt sich erst dann, wenn man sich einen Gefangenen vorstellt, der auf seine Abschiebung wartet und beim Anblick geklebter Pusteblumen erleichtert denkt: „Die Gedanken sind frei.“ Da wirkt das Abgeschobenwerden gleich ganz anders, frühlingshaft-fröhlich.

Ketzerisch dagegen die Frage eines Kollegen, ob man an den Knastwänden nicht besser Kreuze hätte anbringen sollen, als Symbol des christlichen Abend- und Abschiebelandes und als kleine Erinnerungsstütze für Schüblinge. Hessen sei nicht Bayern, lautete die empörte Antwort, und selbst dort solle das Kreuz ja nicht unbedingt als religiöses Symbol verstanden werden, sondern, so die Mutmaßung, als eine Art politisch-kulturelle Abwandlung des Verkehrszeichens, das man ja auch von der Straße kenne: „Rechts vor links. Ihre CSU.“

An dieser Stelle kann es nicht mehr überraschen, dass aus einer Ecke des Raumes ein kopfschüttelndes „Pustekuchen“ erklang, und schon kannte die Fragerei kein Halten mehr: Was ist ein Pustekuchen? Gibt es ihn überhaupt? Wo kommt er her, und was soll er eigentlich ganz genau bedeuten?

Eine kerzengeschmückte Geburtstagstorte, so viel schien klar, ist nicht gemeint. Kurz kam ein Kuchen/Gedanke ins Gespräch, der so wenig Butter/Substanz aufweise, dass man ihn leicht wegpusten könnte, aber es genügte ein kurzes Googeln, um auch diese These zu verwerfen.

Jemand erinnerte sich an Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen, der 1821 ohne Wissen des Dichterfürsten eine Fortsetzung von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ vorgelegt hatte, aber auch er, so ließ sich ergoogeln, war es nicht, denn der „Pustekuchen“ kommt, so ist zu lesen, auf Umwegen aus dem Jiddischen und entstand aus der Kombination von „poschut“ (gering) mit „kochem“ (klug).

Jeder konnte sich sofort den Abschiebehäftling vorstellen, wie er vor den geklebten Pusteblumen sitzt und denkt: „Gering klug.“

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