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Der FC Schalke bleibt „NullVier“ und wird nicht „NullPunktVier“.
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Der FC Schalke bleibt „NullVier“ und wird nicht „NullPunktVier“.

Times mager

Punkt

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Es ist nicht jedermanns Sache, „Industrie vierpunktnull“ zu sagen. Auch war es lange üblich, Vorgängen erst einen Namen zu geben, wenn sie vorbei waren. Zum Beispiel: der Eiszeit.

Im Kaffeehaus verlas jemand seiner Tischnachbarin eine Passage aus dem „Manager Magazin“, die er in seinem Flachcomputer gespeichert hatte: „Der Mann kann beides gleichzeitig, seine Zähne putzen und sich rasieren (natürlich elektrisch). Das ist nicht nur ein beachtlicher Multitaskingnachweis. Es spart auch Zeit. So kann sich Michael ten Hompel (56) nach der Morgentoilette 4.0 rasch den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden.“

Der Verlesende sah sehr modern aus, schon wegen des Flachcomputers, der offensichtlich künstlichen Glatze und der gesichtsbeherrschenden, mit mächtigen schwarzen Rändern ausgestatteten Brille. Das alles hatte bereits zu Beginn der kleinen Vorlesung das Missfallen von Stammgast R. erregt, der allerdings zunächst griesgrämig geschwiegen hatte. Erst als der Moderne die Worte „Morgentoilette vier null“ aussprach, murmelte R. erbost: „Punkt“.

„Weltkrieg zwonull“

Dem Stammgast war offensichtlich nicht bewusst, dass er damit seinerseits in die Falle der Zeitgemäßheit gelaufen war, worauf ihn hinzuweisen der Stammgast-Kollege S. nicht versäumte. Tatsächlich habe man sich, so S., seit Jahren daran gewöhnt, jede Version von irgendetwas mit „zweinull“ oder „dreieinseinszwei“ zu bezeichnen, „so wie Schalke nullvier halt“, wie er ergänzte. Ihm selbst, so S. sei jüngst sogar die Formulierung „Weltkrieg zwonull“ herausgerutscht.

Was er aber gar nicht einsehe, sei, jetzt jedes Mal einen Punkt mitzusprechen, nur weil irgendjemand die „Industrie vierpunktnull“ erfunden habe, um die es übrigens auch im „Manager Magazin“ ging. Man könne sonst ja auch gleich mit Schalke nullpunktvier anfangen, ereiferte sich S., was Stammgast R. zwar um-, aber nur vorübergehend wieder zum Schweigen brachte.

Industrie 4.0, ob mit gesprochenem Punkt oder auch nicht, sei ohnehin vor allem ein Zeichen dekadenten Umgangs mit Gegenwart und Zukunft, hob R. dann wieder an. Über Jahrtausende habe die Menschheit ihren Epochen dann Namen gegeben, wenn sie beendet und damit historisch geworden seien, und nicht vorher, und das gelte sowohl für die Eiszeit als auch für den Zweiten Weltkrieg.

Wer sich nicht anmaßen wolle, die Zukunft als formbares Werkstück zu betrachten, dem man schon vor seiner Herstellung einen Produktnamen verpasse, der solle in aller Ruhe Rasierzahnbürsten erfinden und dann halt sehen, ob daraus eine Epoche entstehe oder nicht.

Nun meldete sich auch der Flachcomputer-Mann wieder zu Wort und sagte „Zahlen“. Die Bedienung, nicht auf den Mund gefallen: „Sieben Punkt zwanzig.“

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