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Psychotests für die Jugend

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Von: Thomas Stillbauer

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Katzen dürfen alles.
Katzen dürfen alles. © rtr

In einem bestimmten Alter (13. bis 17. Lebensjahr) findet man Psychotests schick. Oder eher schnicksch?

Im Internet wurde dieser Tage ein Psychotest mit der Überschrift „Wie schnicksch bist du?“ angeboten, kein Scherz, aber jetzt tut er so, als wäre er nicht mehr aufzufinden. Typisch. Oft ist man ja erst mal viel zu schnicksch, um sich einzulassen, sei es auf etwas zu essen oder auf das Thema einer möglichst unterhaltsamen Zeitungsspalte, und wenn man dann vor Hunger umkommt oder einem doch nichts Besseres mehr einfällt, ist es natürlich zu spät.

Dabei wäre Schnickschigkeit eigentlich ein hervorragender Gegenstand für tiefschürfende psychologische Betrachtungen. Oder sagt man Schnickschizität? Denkbar wären Fragen wie: Stört es dich, wenn dein Date im Restaurant von deinem Teller isst? a) Ja, sehr. b) Nicht, wenn er bezahlt. c) Aber nur die kalten Pommes. d) Nein.

Oder: Fühlst du dich belästigt durch fortwährendes stimmhaftes Husten deiner Kollegen, die ihre schweren Erkältungen generell am Arbeitsplatz auskurieren? a) Nervt extrem. b) Kommt drauf an, wo sie hinhusten. c) Das hat mit Auskurieren nichts zu tun, das ist chronisch. d) Gesundheit.

Oder: Kannst du es ertragen, wenn dein Sitznachbar im Gespräch seinen Fuß auf deinem Stuhl abstellt bzw. seinen Ellenbogen auf deiner Sessellehne parkt? a) Ich habe mir das Sitzen neben anderen Menschen abgewöhnt. b) Macht er nicht mehr, seit er meinen Ellenbogen auf der Nase hatte. c) Aber bitte nicht barfuß. d) Fuß? Welcher Fuß?

Der Psychotest als solcher verliert im Laufe eines Lebens stark an Bedeutung. Gibt er in der Phase zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr oft wichtige Orientierung („Bist du prüde?“, „Kann man mit dir Pferde stehlen?“, „Hast du einen guten Geschmack?“, „Schätzt du dich selbst richtig ein oder bist du total verblödet und merkst es nicht?“) und liefert später zielgerichtete Erkenntnis („Welche Haarfarbe würde zu mir passen, wenn ich so wäre, wie ich mir das immer gewünscht habe, aber ich hatte nicht die Zeit und auch nicht den Mut, das auch in die Tat umzusetzen?“), so kann er einen irgendwann mal am Abend besuchen. Dann hat sich die Persönlichkeit so weit verfestigt, dass man weiß: Doof sind die anderen, denn ich bin schließlich der gewählte Präsident.

Ach so, die Psychotest-Auflösung. Antwort a) erhält jeweils drei Punkte, dann absteigend zwei, eins, null. Zehn bis zwölf Punkte: Du bist schnicksch. Wenn die anderen das merken, bist du geliefert. Fünf bis neun Punkte: Was deine Katze darf, gilt nicht automatisch für alle anderen auch. Null bis zwei Punkte: Äh, ist okay, du kannst die Zahnbürste behalten, die du offenbar von mir geliehen hast.

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