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Das historische Karussell des Staatspark Hanau Wilhelmsbad beim Fest zu dessen Wiederinbetriebnahme.
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Das historische Karussell des Staatspark Hanau Wilhelmsbad beim Fest zu dessen Wiederinbetriebnahme.

Times mager

Pseudo

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Wie authentisch sind die Nilgänse an der Pyramide von Wilhelmsbad? Besuch in einem fantastischen Reich, in dem sich solche Fragen nicht stellen, eigentlich.

Bestuhlt und beschirmt zeigt das Foto die Kurpromenade, den Fürstenbau und den Arkadenbau, beide rechter Hand. In Corona-Zeiten ist das Foto auf dem Faltblatt, vor Jahren eingesteckt, authentisches Dokument und fabelhafte Reminiszenz. Zu Hanau gehörend, mit Hanau auch in Verbindung gebracht, zeigt sich Wilhelmsbad als autonome Attraktion. Mag Wilhelmsbad auch als Staatspark geführt werden, so ist es mehr noch gefühlte Idylle.

Erkennbar auch, dass das Abgelegene nicht aus der Welt ist. Vom Sturm erfasst, liegen Buchen am Boden zerstört oder bereits zersägt zu Stapeln. Zwischen alten Stämmen junge Bäumchen mit roten Kunststofffähnchen, mehr markiert als bewimpelt. Die alten Buchen von Wilhelmsbad stammen wohl aus den Gründertagen des Gartens, als vor 240 Jahren der Sommersitz mit Ruine entstand – Liebhaberei des Prinzen Wilhelm, die für die höfische Gesellschaft bald schon ihren Reiz verlor ebenso wie für Hanaus Bürger. Das Dasein von Wilhelmsbad wurde zu einem Schattendasein, trotz Brunnentempel oder Pyramide, die weiterhin existierten, ebenso wie über nachgeahmter Schlucht die schwankende Kettenbrücke, auch wenn sie nix für wackelige Beine ist, vorgestern jedenfalls nicht.

Berühmt erst recht das Karussell von Wilhelmsbad, doch seit Hanaus Bombennächten zeigte sich die Rarität für Jahrzehnte down. Viele Jahre wurde sie restauriert, es wurde ein schwieriges Unternehmen und ein liebevolles Anfassen – dann, seit der Wiedereröffnung 2016, ließ sich in einer Kutsche für rund fünf Minuten kreiseln. Karussells brauchen Bewegung, jeder Stillstand verhängt über sie eine traurige Stimmung; die Corona-Starre aber über Rappe, Schimmel und Apfelschimmel eine noch totere. Wie also möchtest du? Mit der Frage ist gemeint, wohin es weitergehen soll über geschwungene Wege? Und wie beschwingt es geht! Vorbei an der Ruine aus graubraunen Schiefersteinen (darin vorgestern verborgen die Traumburg des Prinzen mit Seidentapeten). Vorbei an Fotomotiven geht es, einer uralten Eiche, die aber ebenfalls umgekippt ist. Vorbei an Fotografen, im Visier, nicht doch, Nilgänse.

Was für ein Garten, dieses Wilhelmsbad, Szene reiht sich an Szene. Dass in der aufgefalteten Broschüre eine bizarre Baulichkeit in diesem Reich der Fantasie als „pseudo“ bezeichnet wird, ist erstaunlich gesagt. Und was sind Nilgänse, ausgerechnet hier, authentisches Ärgernis, Klischee? Einheimisch geworden vor der Kulisse der Wilhelmsbad-Pyramide aus dem Jahre 1784 sind sie Drum und Dran in einem besonderen Daseinszustand von Wirklichkeit, einem anderen, in dem es noch nie einen Zufall gab.

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