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Ein Vorabexemplar eines Romans wurde vor Erscheinungsdatum auf Ebay in North Carolina für 209 US-Dollar verkauft.
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Ein Vorabexemplar eines Romans wurde vor Erscheinungsdatum auf Ebay in North Carolina für 209 US-Dollar verkauft.

Times mager

Prosaisch

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Im Internet wird mit Vorabexemplaren neuer Romane geprahlt – was es nicht alles gibt.

Während in den Sportschau-Pausen wieder zahlreiche Männer ihre Haare behalten wollen, meldet die britische Zeitung „Guardian“ einen florierenden Handel mit Druckfahnen und Rezensionsexemplaren. So zeigt sich der Kapitalismus einerseits nah am Menschen – denn wer will seine Haare nicht behalten –, andererseits von seiner unsympathischen Seite, denn Druckfahnen und Rezensionsexemplare sind offensichtlich nicht zum Verkauf bestimmt. Nun aber wurde beispielsweise ein Vorabexemplar von Sally Rooneys neuem Roman „Beautiful World, Where Are You“, der im September erscheinen soll, auf Ebay in North Carolina für 209 US-Dollar verkauft. Das giltet nicht, sagen Kinder dazu, Vorabexemplare sind unverkäuflich, wissen die Empfängerinnen und Empfänger von Vorabexemplaren. Man muss dem neuen Roman von Sally Rooney nicht entgegenfiebern – obwohl Neugier bei einem neuen Roman von Sally Rooney am Platze ist –, um zu wissen, dass hier eine erhebliche Indiskretion abläuft.

R echtlich ist das eine Grauzone. In rechtlichen Grauzonen mag sich das Feuilleton allerdings nicht zu sehr abarbeiten. Vielmehr schlägt sein Herz – und das Feuilleton hat ein Herz, wie wir Ihnen versichern können – doch höher, wenn Menschen so scharf darauf sind, einen neuen Roman in der Hand zu halten. Wie üblich in solchen Momenten denkt es an Jasper Ffordes „Thursday Next“-Reihe. Der Brite schildert in seinen Romanen eine unerfreuliche Parallelwelt zu der unseren. Gleichwohl imponiert darin die aggressive Leidenschaft für Literatur, die in dieser anderen Welt herrscht und zu scharfen Fraktionierungen und terroristischen Interventionen führt. Hat es nicht immerhin Größe, dass literarische Kriterien dabei eine Rolle spielen? Oder erinnert es eher schmerzlich daran, dass in unserer Welt literarische Kriterien überhaupt keine Rolle spielen? Oder ist es ein Trost, dass es in einer Welt, in der literarische Kriterien eine Rolle spielten, ebenso wüst zuginge wie hier?

E s zeigt sich dann aber, so steht es in der Zeitung und so belegt es ein Besuch auf Instagram, dass es beim Handel mit Vorabexemplaren nicht etwa darum geht, den Anfang, das Ende oder wenigstens die Mitte von Sally Rooneys neuem Roman zu verraten. Es geht darum, mit dem Besitz der Bücher anzugeben. „Galleybrag“ heißt der Hashtag dazu, galley proof ist die Druckfahne, brag ist die Prahlerei. Man gibt mit den Büchern an und hat in der, wie soll man sie nennen, Vorabexemplarbesitzszene im Internet die Nase vorn. So enthusiastisch kommt das daher und ist prosaischer als die prosaischste Herrenshampoowerbung.

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