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Kolumne

Profis

Ein kräftiger, seriöser Mann mit einwandfreiem Erscheinungsbild müsste man sein. Oder, da das biologisch völlig unmöglich ist, würde es mir schon genügen, hin und wieder den Gesichtsausdruck eines Bad Godesberger Sargträgers ausleihen zu können..

Wäre man wenigstens ein kräftiger, seriöser Mensch mit einwandfreiem Erscheinungsbild, so könnte man künftig als Sargträger gehen. „Ein Nebenjob, der nicht für jeden geschaffen, aber der dennoch immer mehr im Kommen ist“, lesen wir. Voraussetzungen sind „ein gewisses Maß an Kraft und Belastbarkeit, Seriosität, ein einwandfreies Erscheinungsbild, ein schwarzer Anzug, ein weißes Hemd, schwarze Schuhe und eine schwarze Krawatte“.

Das ist freilich Theorie. In Bad Godesberg aber waren wir kürzlich dabei. Wie ein Mann die Bommeln des Tuches sorgsam einschlug, auf dem der Sarg stand. Wie er die Kränze beiseite nahm, nicht ohne dort die beschrifteten Schleifen zu entfalten, so dass auch der falschgeschriebene Familienname wieder prima zu lesen war. Wie nun der Weg frei war für alle sechs, die den Sarg zart und mit jenem gewissen Maß an Kraft anhoben (und damit sicher die Wünsche der zarten und doch einst mit einem gewissen Maß an Kraft ausgestatteten Toten erfüllten), ihn hinaustrugen und auf einer Schiene in ein Fahrzeug schoben. Wie einer der Herren es lautlos und sofort erfolgreich schloss. Während der Wagen, minimalistisch auf die Straße gewunken, mit Tempo 10 abbog, begriffen die Umstehenden wohl, dass sie Vollprofis zugegesehen hatten.

Der Ruf von Sargträgern ist, ähnlich wie der von Totengräbern, nicht gut. Es wird ihnen verübelt, dass sie ihren Job machen. Am Tod der Menschen, der Sozialdemokratie, der Gerechtigkeit oder Republik sind diese seriösen Menschen mit dem einwandfreien Erscheinungsbild nicht schuld (anders als andere seriöse Menschen mit einwandfreiem Erscheinungsbild). Eher müsste man sagen: Wenn alle so arbeiten würden, wäre manches besser.

Aber mir persönlich würde es schon genügen, ab und zu den Gesichtsausdruck der Bad Godesberger Sargträger ausleihen zu können. Einen Gesichtsausdruck, der unsichtbar macht. Versucht das unsereiner, sieht er aus wie ein Dummkopf oder Delinquent.

Die verbliebenen fünf Männer gingen zügig ab und verschwanden. Klar ist auch, dass es die ultimative Komödie über Sargträger noch nicht gibt. Es dürfte keinesfalls eine Klamotte sein.

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