Unter den Tagen, die man sich im Kalender rot anstreichen sollte, gehört nun auch der Warntag am zweiten Donnerstag im September – da schlagen bundesweit Sirenen an. 
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Alarm, Alaaaaarm!, rief das Kind stets, wenn es einen Pilz gefunden hatte. 

Times Mager

Nur ein Probealarm ist ein guter Alarm - Zum bundesweiten Warntag 2020

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Zu den Tagen, die man sich im Kalender rot anstreichen sollte, gehört nun auch der Warntag am zweiten Donnerstag im September – da schlagen bundesweit Sirenen an.

  • Zu vielen absonderlichen (Feier-)Tagen gesellt sich nun der 1. bundesweite Warntag.
  • Tiere müssen gut vorbereitet werden auf die Sirenen, die am Warntag Alarm schlagen.
  • Manche Sirenen bleiben aber auch am Warntag still – Technik ist nicht überall auf dem neusten Stand.

Alarm, Alaaaaarm!, rief das Kind stets, wenn es einen Pilz gefunden hatte. Dann sagte der Vater und versuchte, streng zu klingen, während er das Messer zum Abschneiden des Pilzes schon zückte: Du vertreibst den Pilz, wenn du so schreist, du musst ganz leise sein, sonst läuft er weg. Da aber wusste das Kind schon, dass ein Pilz keine Beine hat, sondern nur einen Fuß, ein Steinpilz wie ein Pfifferling, dass der eine Fuß außerdem festgewachsen ist. Die väterliche Ermahnung reichte also nicht einmal bis zum nächsten Fund: Alarm, Alaaaaarm! Und wenn die Pilze sich versteckt hatten? War ein falscher Alarm besser als kein Alarm.

Der Countdown für den Warntag 2020 läuft: Bald erklingen die Sirenen

Das Times mager hat an dieser Stelle schon oft über besondere und gar absonderliche (Feier-)Tage berichtet. Zum Beispiel über den „Beantworte-die-Fragen-deiner-Katze-Tag“, der davon abhängt, dass Ihre Katze überhaupt Lust hat, etwas zu fragen (träum weiter, denkt Ihre Katze da). Viele Feiertage drehen sich ums Essen und das kann ja nicht ganz verkehrt sein: Es gibt den „Blaubeereis-am-Stiel-Tag“ (klar sind wir da dabei), „Iss-mehr-als-ein-Dessert-Tag“ (unbedingt), „Tag des Wiener Schnitzels“ (okay, aber die Klimabilanz?). Nur für eine persönliche Würdigung des „Tags des Welsh Rarebit“ (geschmolzener Käse auf Brot, erfunden angeblich im Jahr 1747, und so schmeckt es auch) bräuchte jedenfalls diese surfende Reporterin ziemlich viel Hunger.

Doch ausgerechnet den heutigen Warntag hätte das Times mager beinahe gar nicht bemerkt, obwohl schon vor 100 Tagen verantwortungsbewusst gemeldet wurde, dass jetzt der „100-Tage-Countdown zum 1. bundesweiten Warntag läuft“. Obwohl, bundesweit?

Manche Sirenen bleiben am Warntag still

„Neustadts Sirenen bleiben am Warntag still“, meldete die HAZ gestern. Grund ist, dass ausgerechnet Neustadt sich nicht auf dem neuesten technischen Stand befindet – dafür Wennigsen („In Wennigsen heulen am Donnerstag die Sirenen“, ebenfalls HAZ). Die „Braunschweiger Zeitung“ hat mit einer Tierschutzbeauftragten gesprochen, die rät, „Tiere und Pilze gut auf den Warntag vorzubereiten“. (Okay, das mit den Pilzen haben wir jetzt erfunden.)

Es kann kein Zufall sein, dass dem 1. bundesweiten Warntag am heutigen 10. September (und fortan immer am 2. Donnerstag im September) am 11. September der „Keine-Nachrichten-sind-gute-Nachrichten-Tag“ folgt. Auf Dauer wäre das mit den Nachrichten zwar kein Geschäftsmodell für eine Zeitung, aber nach diesem Vorbild könnte man den 10. September vielleicht umbenennen zum „Nur-ein-Probealarm-Tag-ist-ein-guter-Alarm-Tag“. Und anschließend in den Wald gehen zum Pilzeerschrecken.

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