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Presskopf

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Von: Thomas Stillbauer

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Kann man diese Digitalisierung auch abschalten?

Die Digitalisierung des Menschen (und des Zeitungsredakteurs) schreitet voran. Nicht erst seit er Armbanduhren trägt, die ihm sagen, wie er geschlafen hat, ob sein Herz noch schlägt, wann er ein- und ausatmen soll (den Zeitungsredakteur hier einmal ausgenommen). Nicht erst seit Bill Gates per Corona-Impfung WLAN-Kabel in unseren Venen verlegt (oder war es beim Zeitungsredakteur der Putin? Man kommt schnell durcheinander).

Sie begann viel früher, die Digitalisierung. Vor etwa 33 Jahren wäre dieser Text auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt worden, ein Geschenk der Mutter des Autors und bereits für universitäre Hausarbeiten sowie für Kündigungsschreiben an den Karateverein im Einsatz erprobt.

Bedachtsam hackte der junge Journalist seine Reportagen etwa über den Kaninchenzüchterverein, der als Tombolahauptpreis einen Presskopf ausgelobt hatte, aufs Redaktionsformular, damals 40 Zeichen die Zeile, und vergaß nicht klarzustellen, dass der Presskopf keinen Kaninchenanteil enthielt. Dass die Kaninchen auch nicht mit Presskopf gefüttert worden waren.

Vertippte er sich, der junge Journalist, musste er mit Tippex ran. Vertippte er sich übermäßig, schüttelte er seinen Pressekopf, riss das Blatt heraus und begann von vorn. Mühsam. Dann die Digitalisierung. Auf dem Personalcomputer konnte man sich vertippen, so oft man wollte, und am Ende doch alles sauber mit einem Neun-Nadel-Drucker aufs Formular rattern. In der Redaktion standen zu jener Zeit schon Bildschirme, dick wie Baumstämme, die den Text grün auf schwarz direkt zur Weiterverarbeitung jagten. Größtes denkbares Malheur war die Kombination Alt + E. Dann war alles, was hinter dem E geschrieben stand, beim Teufel.

Aber besonders digital war das nicht. Springen wir nach vorn. Heute entscheidet unser E-Mailsystem darüber, welche Post „relevant“ und welche „sonstig“ ist. Vor allem aber können wir rund um die Uhr mit den Kolleginnen und Kollegen digital darüber plaudern, wo noch ein E fehlt (das ist jetzt viel ungefährlicher) oder wo ein Bild schief sitzt.

Wer besonders digital ist (oder besonders doof), hat sich dieses Plaudersystem sogar auf sein Mobiltelefon geladen. Seitdem erhält er Botschaften, tagein, tagaus, nachts, am Wochenende, im Urlaub: „Danke“, „ich schaue“, „dap“, „Quatsch: dpa“, „Nee, heb es auf für morgen. Dann hämmer ich es rein!“, „Wie wird ein Frage/Antwort getaggt?“, „Wenn U. raus ist, passe ich links an“, „okay“, „Danke, Mr. Bond“, „ich schaue“, „ich gucke“, „Die These sitzt nicht“, „da gab’s ne Mail zu“, „bin dran“, „bin raus“, „Supi, danke!“

Irgendwo lässt sich das abschalten. Ganz sicher. Ich schaue.

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