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Dicker Hamster? Keineswegs: Premmeln heißt, es sich einfach gut gehen zu lassen. Und das schaffen auch Hamster.
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Dicker Hamster? Keineswegs: Premmeln heißt, es sich einfach gut gehen zu lassen. Und das schaffen auch Hamster.

Times mager

Premmeln

Es gibt Worte, zu denen der Duden schweigt. Kluges Etymologisches Wörterbuch kennt sie auch nicht. Google ist unentschlossen. Eine Spurensuche.

Natürlich soll man sich nicht ständig beklagen, weil wieder ein Wort fehlt. Es gibt ja so viele. Und doch hob kürzlich wieder die Suche nach einem Wort an, dessen Existenz zwischen Premier und Presbyter der Duden sich weigert anzuerkennen und ebenso Kluges Etymologisches Wörterbuch zwischen Premiere und preschen und selbst Grimms Deutsches Wörterbuch zwischen preme und premscheibe. Und Grimms Deutsches Wörterbuch wurde von Jägern und Sammlern geschrieben, die nicht reglementieren, sondern die Hülle und Fülle herzeigen wollten, in der Menschen sich schriftlich und mündlich äußern. So rettete nicht einmal eine Kleinanzeige das Wort, in der es meinetwegen einmal hieß: „Möchten Sie sonntags lieber premmeln als kochen?“ Besser erging es dem Preschwagen, „ein leichter ein- oder zweispänniger wagen ohne verdeck: zu verkaufen ein preschwagen auf federn, zum hinteneinsteigen. Saalezeitung, Halle 10. aug. 1880“.

Premmeln heißt das Wort also. Was sagt denn Google dazu? Google kennt das Wort 1. im Zusammenhang mit Hamstern: „Generell so kleine Hamster, denen wird halt schneller kalt als so dicken Premmeln.“ 2. im Zusammenhang mit Männern: „Aber wir Männer werden glaube ich eh schneller alt – wenn ihr Frauen nochmal auf die Tanzfläche geht liegen wir schon in der Kiste oder premmeln, dass wir nach Hause wollen.“ 3. im Zusammenhang mit Christine Wisemann, einer geborenen Premmeln und zwar zu einer Zeit, als man noch geboren schrieb. 4. Im Zusammenhang mit Computern: „Will damit nicht daran zweifeln dass du das Ding in den Slot premmeln kannst.“

Ja, und das war es im Großen und Ganzen. Was aber tun, wenn man doch genau weiß, dass premmeln ein Verb ist (das Nomen dazu offensichtlich: Premmelei) und weder ein korpulentes Nagetier noch die Quengelei eines erschöpften Partybesuchers (männlich) oder die forcierte Lösung eines Rechnerproblems?

Und? Also? Premmeln heißt glasklar, es sich gut gehen zu lassen. Wer sich vornahm, jetzt aber zu premmeln, steckte sich eine ins Gesicht und trank eine Tasse Tee mit Milch und Zucker. Die Kinder verzehrten ein Vanillekipferl. Allseits wurden die Füße auf bequeme Höckerchen gelegt. Nein, premmeln ist nicht dasselbe wie genießen. Genießen ist ohnehin nicht schön strengen Sinne, wie der Kontrast zwischen einem scharfen s und dem stimmhaften Wohllaut von m und l bereits klarstellt. Tatsächlich ist es aber so, dass man sich schon etwas einfallen lassen muss, um ein von aller Welt verleugnetes, quasi illegales Wort im Umlauf zu halten.

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