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Times Mager

Praktisch

Bei einer schottischen Untersuchung ist herausgekommen, dass Menschen mitfühlend und anständig sind. Man könnte allerdings auch sagen: sentimental, feige und blöd. Von Judith von Sternburg

Bei einer schottischen Untersuchung ist herausgekommen, dass Menschen mitfühlend und anständig sind. Man könnte allerdings auch sagen: sentimental, feige und blöd.

Über die Stadt Edinburgh, so berichtet die Times, wurden 240 Brieftaschen gut sichtbar und "in sauberer Umgebung" verstreut. Einem Teil wurde neben den üblichen Papieren (kein Geld!) ein Kleinkindfoto beigelegt, einem Teil ein Foto mit einem jungen Hund, einem Teil ein Familienfoto, einem Teil ein Foto älterer Leute, einem Teil ein Hinweis darauf, dass der Besitzer gerade Geld oder Blut gespendet hatte, einem Teil nichts weiter Besonderes.

Im größeren Stil (88 Prozent) kamen die Brieftaschen mit den Kinderfotos zurück, weit abgeschlagen folgten: der Hund (53 Prozent), die Familie (48 Prozent), die älteren Leute (28 Prozent). Noch schlechter erging es den edlen Spendern (20 Prozent) und den unspezifischen Besitzern (15 Prozent).

Mitfühlend: Die kleinen Kinder haben offenbar die Herzen der Finder angerührt, wie schön.

Anständig: Insgesamt kam immerhin knapp die Hälfte aller Brieftaschen zurück.

Sentimental: Auch die Welpen haben offenbar die Herzen der Finder angerührt, nicht aber die braven älteren Leute.

Feige: Die Tester weisen darauf hin, dass es in moralischen Fragen stets darauf ankommt, ob sich jemand beobachtet fühlt. Hierfür reicht im Zweifelsfall auch das Augenpaar auf einem Bild aus.

Blöd: dass der Mensch einen Menschen nicht vom Bild eines Menschen unterscheiden kann.

Natürlich greift das Babyschema. Kleine Kinder auf einer Theaterbühne lassen ein Publikum zumeist seufzen, als hätte noch keiner im Saal je ein Kind gesehen. Der kleine Sohn von Madame Butterfly wird manchmal von Applaus umstürmt wie die Heldin selbst. Regisseure versuchen auszuweichen, indem sie Babywagen oder junge Männer auf die Bühne schicken. Das gilt dann als unterkühlt und überintellektuell.

All das hindert die meisten Erwachsenen bekanntlich nicht daran, böse zu gucken, wenn in der Bahn ein Kind weinen muss. Immerhin weiß jetzt jedermann, was er zu tun hat, um mit 88-prozentiger Sicherheit seine verlorene Brieftasche wiederzubekommen.

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