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Präsenz

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Von: Christian Thomas

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Das Haus Dornbusch im Frankfurter Stadtteil Dornbusch. Auch ein geschichtsträchtiger Ort.
Das Haus Dornbusch im Frankfurter Stadtteil Dornbusch. Auch ein geschichtsträchtiger Ort. © christoph boeckheler*

Und wieder auf dem Weg zur Arbeit: Ein besonderer Wolkenkratzer ist vom U-Bahnsteig Dornbusch aus überragend gut zu sehen.

Stadteinwärts, in Verlängerung des U-Bahnsteigs Dornbusch steht ein besonderer Wolkenkratzer, und er tut dies, das liegt in der Natur der Sache, überragend, gerahmt von der Straßenflucht, angefangen mit der dunkelbraunen Hausfront des „Grünhofs“, schräg gegenüber von Frankfurts Polizeipräsidium. Das erkennt jedermann an seiner anthrazitfarbigen Klinkerfassade.

Der „Grünhof“ mit seiner gar nicht schillernden Fassade ist ein Geschäftsgebäude, das seinen Pächtern eine seriöse Ansicht frei Haus liefert. Dieses günstige Angebot gilt für eine Apotheke, einen Fotografen, eine Reinigung sowie eine Rewe-Filiale. Der „Grünhof“-Rewe ist so etwas wie eine äußerst erfolgreiche Konjunktion, der die anderen Frankfurt-Rewe um Längen schlägt, wenn man seine Ausdehnung veranschlagt.

Was der Rewe in der Fläche bietet, liefert der Wolkenkratzer, von dem bereits oben die Rede war, an Höhe. Vertikal die Präsenz. Seit Jahren ist ihm genau dies vom U-Bahnsteig Dornbusch aus anzusehen.

Von der geteilten Eschersheimer Landstraße wird die U-Bahn-Trasse in jeder Hinsicht gesäumt. Die vier Schienen schillern immer ein wenig quecksilbrig. Für das Auge, das ihnen stadteinwärts und südlich in den U-Bahn-Tunnel folgt, bilden die Schienen so etwas wie eine endlose Konjunktion. Nicht nur in der Dornbuschliteratur gilt diese Schräge als die Rampe in Höhe der Humser Straße.

Es gibt Stimmen, die das aber auch bestreiten. Nicht, dass sie murren – sie wollen darauf hinaus, dass die Einfahrt eher in Verbindung gebracht wird mit dem Motel, dem „Grünhof“ heute gegenüber. Es verfügt über so etwas wie eine kleine, kreisrunde Vorfahrt. Auch fällt seit einigen Jahren ein Briefkasten auf, als wäre er ein Anachronismus, oder eine grellgelbe Skulptur.

Geschrieben wird mit ihm so etwas wie Geschichte hier, wie überhaupt einiges am Dornbusch. Auch mit seinem Motel, das nicht direkt eine Liegenschaft der Amerikaner war, obwohl es doch so wirkt wie deren Hinterlassenschaft. Wie eine Reminiszenz an ihre Präsenz. Präsenz zeigt auch der Wolkenkratzer aus der Ferne, in der Ferne. Er kann aber nicht wirklich fern sein. Viele Dornbuschler schauen zu ihm auf, ja mehr als das. Der Indigene benutzt ihn, der Neu-Dornbuschler ebenso wie der Alt-Dornbuschler richtet sich an ihm auf, bewusst oder verstohlen. Deshalb zieht er alles andere als den Kopf ein, wenn er in den U-Bahn-Tunnel einfährt mit erhobenem Haupt. An ihm, ohne dass er näseln müsste, ist der Dornbuschler in der U-Bahn gut zu erkennen.

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