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Mit Hand bekritzelt, tatsächlich mit Bleistift und in deutscher Schrift der Hinweis auf den Geburtstag eines Georg T.
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Mit Hand bekritzelt, tatsächlich mit Bleistift und in deutscher Schrift der Hinweis auf den Geburtstag eines Georg T.

Times Mager

Prämie 1929

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Es ist beruhigend, dass es sich beim „Sterbegeld“ um eine Versicherung und nicht um eine Kopfprämie handelt.

Tatsächlich hat auch an dieser Stelle schon häufig die Zeit eine dominierende Rolle gespielt, ohne dass aber die Tageszeit mehr als eine untergeordnete Rolle gespielt hätte. Und so wird es wohl auch diesmal sein, denn die Zeit mochte wichtig sein, die Uhrzeit war es nicht, als Wilhelm Raabe seinen Roman „Gutmanns Reisen“ so begann: „Da liegt vor mir ein Buch in Duodez, betitelt: ,Merkwürdige Reisen der Gutmannschen Familie.‘ Die Vorrede ist datiert von ,Schloß Ricklingen, den 7. August 1797‘; meine ,dritte verbesserte Auflage‘ stammt aus dem Jahre 1805 und war damals zu finden in Hannover bei den Gebrüdern Hahn. Der Verfasser ist Christian Konrad Dassel, zuletzt Pastor zu Hohenbostel, und dem Manne widme ich heute mein Buch – am 11. Mai 1891.“

Es gibt von dem Roman einige Ausgaben, die sämtlich älteren Datums sind, veröffentlicht in Gesamtausgaben, die mal in drei „Serien“ erschienen, mal auch „Reihen“ genannt wurden, in drei Gruppen zu jeweils sechs Bänden in der sogenannten „Wilhelm Raabe Bücherei“, darin als sechzehnter Band „Gutmanns Reisen“. Die vierte Auflage, aus der soeben (oben) zitiert wurde, muss irgendwann Ende der 1920er Jahre erschienen sein – doch wann genau?

Ohne dass es selbst bei Büchern ausschließlich wesentliche Fragen gäbe, so gibt es zweifellos weit wichtigere als die nach dem Erscheinungsdatum dieser Ausgabe, hielte nicht das antiquarische Exemplar auch einen roten Beizettel bereit in Postkartengröße. Dünnes Papier, mit zwei Klammern geheftet, ein Heftchen „Für die ‚Deutsche Volksbücherei‘“. Mit Hand bekritzelt, tatsächlich mit Bleistift und in deutscher Schrift der Hinweis auf den Geburtstag eines Georg T.

Sollte das Buch ein Geschenk gewesen sein? Das Heftchen war eine Handreichung im „Werbe-Jahr 1929“, und es versprach, bei unterschiedlich hohen Monatsbeiträgen für vier Gruppen, von A bis D, von einer Reichsmark, über 2, 2,25 bis 3 RM, Bücher „nach eigener Wahl“, in „Halbleder“ oder „Glanzleder“ – umso erstaunlicher das Fundstück in einem Leinenband, aus dem es seitdem nicht herausgefallen ist.

Neben Anmeldeschein offerierte die vorletzte Seite für die Mitglieder der Gruppen C und D der Deutschen Volksbücherei eine Versicherung, für jeden Abonnenten und dessen Ehefrau zwischen 200 und 500 Reichsmark „bei natürlichem Tode“ sowie nach „einjährigem unterbrochenen Abonnement“.

„Sterbegeld“ hieß das, es war das merkwürdige Wort für eine Versicherung, die heute noch so bezeichnet wird. Mag man auch an dem irritierenden Begriff für eine vielversprechende Sache zweifeln, so ist jedenfalls keine Kopfgeldprämie gemeint, wie man beruhigt sein mag zu jeder Tag- oder Nachtzeit.

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