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Von Portugal nach Brasilien. Per Karavelle ging das 1500 bedeutend schneller als heute per Paketdienst.
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Von Portugal nach Brasilien. Per Karavelle ging das 1500 bedeutend schneller als heute per Paketdienst.

Times mager

Postwege

  • Wolfgang Kunath
    VonWolfgang Kunath
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Genau 112 Tage war nun ein Buchpaket von Lissabon nach Rio de Janeiro unterwegs. Weit länger, als portugiesische Karavellen brauchten, um im Jahr 1500 Brasilien zu entdecken.

In der Bundesrepublik sei nach dem Krieg der Konsum an Orangensaft gestiegen, und gleichzeitig seien die Geburtenraten gesunken, sagte der Dozent an der Uni und machte dazu ein Gesicht, aus dem Erstsemester schließen konnten: „Also macht Orangensaft impotent!“

Tyler Vigen hätte an diesem Späßchen seine Freude gehabt. Der Wissenschaftler, der an der Harvard Law School arbeitet, führt auf seiner Website „Spurious Correlations“ – etwa: falsche Zusammenhänge – lauter solche Beispiele auf: Je mehr die USA für Wissenschaft, Technologie und Raumfahrt ausgeben, desto mehr Menschen hängen sich auf – beziehungsweise je mehr Lebensmüde den Strick nehmen, desto mehr Apollo-Raketen kann Cape Kennedy in den Weltraum schießen.

Oder nehmen wir die Kurve der US-Rohöl-Importe aus Norwegen zwischen 1999 und 2009: Sie entspricht fast genau der Kurve der für den Autofahrer tödlich endenden Kollisionen von Autos und Zügen im selben Zeitraum. Die Scheidungsrate in Maine und der Margarine-Konsum, die Leistung der Atomkraftwerke und die in Swimmingpools Ertrunkenen – zwischen all dem bestehen verblüffend enge, außerordentlich mysteriöse und dabei falsche Zusammenhänge.

José Murilo de Carvalho ist einer der bekanntesten brasilianischen Historiker. Wir wissen nicht, ob er die Website von Tyler Vigen besucht hat, aber wir wissen, dass er im März Bücher in Portugal bestellt hat und von der brasilianischen Post beschieden wurde, die Bücher seien, Verzollung schon eingeschlossen, innerhalb von 77 Tagen da. Also 34 Tage mehr, so hat der Historiker errechnet, als die Karavellen von Pedro Álvares Cabral im Jahre 1500 brauchten, um von Portugal loszufahren und Brasilien zu entdecken.

Genauer gesagt: 77 Tage plus Sonn- und Feiertage

Allerdings musste sich Murilo de Carvalho korrigieren. Als die 77 Tage verstrichen, seine Bücher aber immer noch nicht angekommen waren, las er die Benachrichtigung der Post nochmal: 77 Tage – aber Werktage.

Lassen wir dahingestellt, ob die brasilianische Post am Freitagnachmittag sämtliche Beförderungsvorgänge einstellt und erst Montagfrüh wieder aufnimmt. Jedenfalls dauert es, Wochenenden und Feiertage einbezogen, 112 Tage, bis die Buchbestellung von Lissabon aus Rio de Janeiro erreicht.

Wenn wir das in Cabral-Reisen umrechnen, so ist das eine Hin- und eine Rückfahrt per Karavelle plus 26 Tage dazwischen. Also fast vier Wochen Zeit, um an Brasiliens Stränden Badeurlaub zu machen, Wildbret statt madigen Schiffszwieback zu essen, Caipirinha zu trinken, mit den Indianerinnen zu flirten und Glasperlen und Taschenspiegel zu verteilen.

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