Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Was wäre wenn wir einfach genauso viel Post aus Papier verschicken wie E-Mails.
+
Was wäre wenn wir einfach genauso viel Post aus Papier verschicken wie E-Mails.

Times mager

Post

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Stellen Sie sich vor, das Internet wäre nie erfunden worden. Nein, stellen Sie es sich besser nicht vor. Oder doch, aber nur ganz kurz.

Guten Morgen. Stellen Sie sich das mal vor: „Schatz, wohin des Wegs?“ – „In den Briefkasten, er muss dringend ...“ – „Nein!“ – „Doch.“ – „Aber sei vorsichtig!“ – „Natürlich.“ – „Einen Meter. Nicht tiefer!“ – „Versprochen.“

Stellen Sie sich vor, das Internet wäre nie erfunden worden, aber die Menschheit hätte beschlossen: Wir verschicken einfach genauso viel Post aus Papier. Hä? Genauso viel wie was? Na, so viel, wie in den unergründlich tiefen E-Mail-Eingängen landet. Äh, gelandet wäre. Wenn jemand das Internet erfunden hätte.

Die Leute hätten keine Briefkästen mehr, sondern Brieflager, groß wie Onkel Dagoberts Geldspeicher. Die Post AG wäre das reichste Unternehmen der Welt. Ihre Lastkraftkranwagen aus Gold und Edelstein rollten durch die Lande und entleerten, ähnlich wie Altglassammelfahrzeuge (nur leiser), die Briefe in die Auffangbehälter der Empfänger.

Wer es sich leisten könnte, hätte seinen Briefspeicher auf dem eigenen Grundstück errichtet, doch die meisten Menschen hätten einen solchen Auffangbehälter anmieten müssen, irgendwo draußen vor der Stadt. Unternehmen wären aus dem immer knapper werdenden Boden geschossen, die solche Mietbriefspeicher gratis offerierten – um den Preis, dafür Werbung schicken zu dürfen. Viel Werbung. So viel Werbung, dass kaum noch andere Briefsendungen in die Onkeldagobertgebäude passten.

Jeden Tag offerierte ein Auktionshaus Medizinbälle („echtledern“), jeden Tag!, nur weil Sie ein Mal auf einen Sitzball („aufblasbar“) mitgeboten hätten. Jeden Tag machte man Ihnen in separater Post eine neue Schutzhülle für Ihr Telefon schmackhaft, jeden Tag einen Akku-Winkelschleifer, einen Luftreiniger, 16 Sport-Unterhosen, eine Spielstation 4, eine Waschmaschine, zwei Heizkörperthermostate, Fragezeichen, Telefonbuch, täglich zehn Gutscheine für irgendwas. Preisgünstige Operationen an Fortpflanzungsorganen. Preisgünstige Treffen mit spärlich bekleideten Personen. Jeden Tag Briefe von reichen Prinzen aus Zamunda, die Ihnen massenhaft Geld schicken wollten, weil sie keinen Platz dafür hätten – und niemand würde sich darüber wundern, denn niemand wüsste, wohin damit. Womit auch immer.

Spezialtaucher erböten sich, tief in den Briefspeichern mit ungeöffneter Post nach dringend benötigten Schreiben zu suchen. Kindheitserfahrungen in den Bällebädern schwedischer Möbelhäuser wären Einstellungsvoraussetzung. Psychologen könnten den Satz nicht mehr hören: „Ich habe die Kontrolle über meinen Maileingang verloren.“ Äh, Briefspeicher. Stellen Sie sich das mal vor. Und im Hintergrund: Stop – oh yes, wait a minute Mr Postman!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare