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Populismus

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Von: Christian Thomas

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Mehr als ein verspäteter Halloweenschreck: Donald Trump
Mehr als ein verspäteter Halloweenschreck: Donald Trump © rtr

Die Marktchancen des Populismus sind gestiegen, auch in nächster Zukunft dürfte er ein Wachstumsmarkt bleiben.

Der Populismus wird weiterhin seinen Weg machen. Seine Marktchancen sind gestiegen, der Markt wird wachsen. Denn der Populismus, obwohl er mit seinem Wirtschaftsnationalismus ein streng protektionistisches Programm verfolgt, wird seit dem Triumph von Donald Trump auch in Europa einen noch größeren Absatzmarkt vorfinden. Auf diesem Markt werden vor allem Ressentiments gegen die demokratischen Institutionen und Eliten produziert, Ablehnung des Parteienstaats und seiner Werte, nicht nur Aversionen, sondern Aggressionen gegen alles „Fremde“, Menschen an erster Stelle.

Über den zukünftigen amerikanischen Präsidenten sind in den letzten zwei Wochen viele Worte gemacht worden, Parallelen gezogen worden zwischen Trumps Vorgehen und demjenigen Silvio Berlusconis. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett hat die Strategie des Republikaners gar mit derjenigen des Faschisten Mussolini verglichen – und an dieser prekären Ineinssetzung zeigt sich, dass in historischen Situationen historische Vergleiche herhalten müssen, die obskur sind.

Historische Analogien mit mittlerer Reichweite

Eine besonders simple Analogie bemühte vor zwei Jahren der Linkspopulismus. Er ließ 2014 angesichts der Krise in der Ukraine nichts unversucht, um eine Wiederkehr von 1914 herbeizureden. Deutsche Außenpolitik wurde als Wiedergängerei des Wilhelminismus denunziert. Es ließ sich nicht übersehen, dass historische Analogien nur eine mittlere Reichweite haben – und das ist nicht nur eine akademische Erkenntnis. Es ist die Geschichte selbst, die die forschen Vergleiche nicht selten fad aussehen lässt.

Analogien stehen im Bann des Gewesenen, versperren die Einsicht in aktuelle Entwicklungen. Indem sie das Erkenntnisinteresse verlagern, verhindern sie den Blick dafür, was erstmalig und historisch neuartig ist. Neuartig war mal, dass ein hessischer Politiker in hessischen Fußgängerzonen CDU-Stände aufbauen ließ, an denen Bürger gegen Ausländer Unterschriften leisteten, die Union die Landtagswahl gewann und Roland Koch Ministerpräsident wurde. Schon Koch beschädigte mit seiner populistischen Strategie und Infamie die politische Kultur – daran zu erinnern gibt es Gründe, denn es handelte sich ja nicht um einen Spuk. Kochs Aufputschpopulismus war eine Form demagogischer Abschottungspolitik: gegen die soziale Wirklichkeit, die politische Wahrhaftigkeit, die universellen Werte.

Analogie oder Parallele? Es ist der Populismus, der der Erinnerung ein Konjunkturprogramm eröffnet. Aber wird die Erinnerung auch ihren Weg machen?

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