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Pop!

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Von: Sandra Danicke

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Jeff Koons steht seitlich vor einem von ihm gestalteten BMW.
US-Kunststar Jeff Koons vor dem von ihm gestaltetem BMW.. © Enes Kucevic/Jeff Koons/dpa

Jeff Koons hat einen BMW neckisch lackieren lassen. Er nennt es Kunst. Wir nennen es Auto.

Gegen Jeff Koons und seine Kunst, lässt sich eine Menge einwenden. Zum Beispiel, dass sie aalglatt sind (also Kunst und Künstler), und das nicht nur im wörtlichen Sinn. Man kann das aber auch in Ordnung finden. Eine Menge Menschen mögen ja aalglatte Dinge zum Hinstellen und Schönfinden. Vor allem die Trashkultur in den USA lässt sich damit herrlich feiern und zugleich bloßstellen.

Das muss man erst einmal schaffen, gleichzeitig völlig banal und kritisch zu sein. Wobei Koons nie behauptet hat, kritisch zu sein, im Gegenteil. Jeff Koons liebt es groß und bunt. Jetzt hat er ein Auto gestaltet. Nicht zum ersten Mal. Bereits 2010 hat der Künstler für BMW einen Wagen aufgehübscht, allerdings war das damals ein Einzelstück. Von der neuen Kreation - es handelt sich um einen BMW M850i xDrive Gran Coupé (allein der Name!) - gibt es 99 Stück. Sie sehen aus, als kämen sie direkt aus einem Comic: mit auflackierter Geschwindigkeitswolke und Sternen, in einem davon steht das Wort „POP!“. Das ist so doof, das es fast schon wieder gut ist.

Es ist auch vollkommen antizyklisch. Schließlich handelt es sich nicht um ein neues, irgendwie halbwegs umweltfreundliches Modell, sondern um einen (in dieser Hinsicht) stinknormalen Wagen mit Verbrennungsmotor. Jeff Koons feiert den Konsum, er feiert den Kitsch und die individuelle Fortbewegung, als gäbe es kein Morgen. Soweit in Ordnung (oder auch nicht). Richtig unangenehm wird es, wenn der Künstler den Mund aufmacht.

Bei seinem Werk gehe es „um Adrenalin, Freude, Energie, und darum, demokratisch damit umzugehen“. Was an einem Auto, das 350 000 Euro kostet, demokratisch sein soll, weiß vermutlich nur Koons. Doch es kommt noch besser: „Dieses Auto“, so der Kunststar, „ist eine Meditation über die unendlichen Möglichkeiten des Lebens.“ Eine Meditation? Herrgott, es ist ein Auto.

„Ich glaube daran, dem Glück zu folgen, das Leben voll auszukosten – und immer mit Optimismus für das Morgen ausgestattet zu sein.“ Ja, schütteln Sie sich nur, das hat er wirklich gesagt. Koons, nicht Ronald Reagan. Und nein: Das war nicht ironisch gemeint. Und wenn man sich jetzt wieder den Kopf darüber zerbricht, wie clever das alles ist, weil es uns mit unserem unverantwortlich hedonistischen Verhalten konfrontiert, dann liegt man aller Wahrscheinlichkeit nach vollkommen falsch. Der Kaiser ist nackt, und Jeff Koons liebt schnelle Autos, die teuer und extravagant sind. Punkt.

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