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Doch eher Provokation als Propaganda?
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Doch eher Provokation als Propaganda?

TIMES MAGER

Polizeibericht

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Ein, zwei Sätze und Schlussfolgerungen zu einem Einbruch mit Hakenkreuzschmierereien in einer Schule Frankfurts

Das Times mager war bis heute nicht die Plattform, um aus einem Polizeibericht zu zitieren. Wenn es hier geschieht, so hat das Gründe. Sie betreffen den 23. März 2021 in Frankfurt:

„Heute Morgen waren in der Josephskirchstraße Feuerwehr und Polizei im Einsatz, da jemand ein Feuer in einer Schule gelegt hatte. Zuvor brachen die unbekannten Brandstifter in die Schule ein und hinterließen Hakenkreuz-Geschmiere. Irgendwann in der Zeit von Montag, 21.30 Uhr, und Dienstag, 06.30 Uhr, verschafften sich Unbekannte über ein Fenster Zutritt zu einem Klassenzimmer der Ziehenschule. Im Anschluss entleerten sie einen Feuerlöscher, schmierten Hakenkreuzen und die Zahl 88 an Tafeln und Türen und begingen Sachbeschädigungen am Schuleigentum. Des Weiteren legten sie anschließend mit Toilettenpapierrollen ein Feuer, bevor sie unerkannt flüchteten. Eine massive Rauchentwicklung und Rußablagerungen waren bis zur Alarmierung der Feuerwehr entstanden, die durch das schnelle Einschreiten einen größeren Schaden an der Bausubstanz verhindern konnte. Nichtsdestotrotz ist von einem Schaden in den Hunderttausenden auszugehen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen, die Hinweise geben können.“

Da es sich um einen Einbruch handelt, darf oder sollte oder muss man die Tat anders beurteilen als die Provokation, sagen wir in der großen Pause, bei der nationalsozialistische Symbole im leeren Klassenraum an die Wand oder Schultafel geschmiert werden. In diesem Fall soll es sich bei den Tatwerkzeugen um, wie mittlerweile betont wird, Kreide gehandelt haben, nicht um Eddingstifte, nicht um Spray. Ein Grund zur Erleichterung?

Also doch eher Provokation als Propaganda? Beides, das eine wie das andere, der kriminelle Unfug ebenso wie die ultimative Verachtung, heischt allerdings nach Aufmerksamkeit: die Brüskierung von Lehrern oder Lehrerinnen, die man nicht ausstehen kann, die Rache an der Schule ebenso wie die Abrechnung mit dem Staat. Allein der Gedanke, dass das Hantieren mit Symbolen mörderischer Menschenverachtung ein nicht nur kriminelles, sondern alltägliches Mittel sein sollte, ist beunruhigend. Ein Fall nicht nur für die Kripo ist die Banalisierung des Bösen, ob sie nun über das Böse feixt oder sich der Banalisierung nicht bewusst ist.

Agitation oder Allotria? In seiner 1949 erschienenen und soeben wieder aufgelegten Studie „Falsche Propheten“ (Suhrkamp) hielt Leo Löwenthal fest: „Der Agitator weiß genau, daß er manchmal Zähne zeigen muß. Und er tut es oft in der Art eines Jugendlichen ‚gang leaders‘, der seine Bande auf die Probe stellt.“ Nach dem Motto: „Mir kann keiner“.

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