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Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker für die Frankfurter Rundschau.
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Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker für die Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Polanski

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Roman Polanski, dem geständigen Vergewaltiger einer 13-Jährigen, hat nicht nur sein Opfer inzwischen verziehen. Der Filmemacher hat sich, man könnte sagen, kulturell rehabilitiert. Von Daniel Kothenschulte

Selten klaffen Recht und populäres Rechtsempfinden so deutlich auseinander wie bei Sexualstraftaten. Meistens wenden sich diese Stimmungen gegen die Täter, denen man nach verbüßter Tat oder erfolgreicher Therapie oft immer noch eine Wiedereingliederung verwehrt. In den USA besteht bereits der "Internetpranger", in Deutschland werden die Hürden für das "Wegschließen für immer", wie Gerhard Schröder die Sicherungsverwahrung nannte, kontinuierlich gesenkt.

Manchmal aber ist es umgekehrt: Im Falle von Marco W., dem Schüler, der inzwischen in Antalya zu einer Bewährungsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen verurteilt wurde, forderte die Bundesregierung von der Türkei vergeblich, sich über das Gesetz zu stellen und Marco W. frei zu lassen.

Roman Polanski, dem geständigen Vergewaltiger einer 13-Jährigen, hat nicht nur sein Opfer inzwischen verziehen. Seit seiner Flucht vor einem amerikanischen Gericht hat sich der Filmemacher, man könnte sagen, kulturell rehabilitiert. Jedenfalls für die Kulturöffentlichkeit. Allein die Bild-Zeitung ("Warum kämpfen Stars für einen Mädchen-Vergewaltiger?") findet in ihrem Internetforum andere Mehrheiten. Wäre er damals nicht vor dem Gesetz geflohen, sondern zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden, wäre die Welt um diese Kunstwerke ärmer. Moralisch ist das nicht, und Polanskis selbstgewählte Strafe, die Verbannung aus Hollywood nach dem Welterfolg "Chinatown", steht nicht im Gesetzbuch. Dennoch sollte es einfach sein, im Fall Polanski Recht und Rechtsempfinden in Deckung zu bringen. Die USA sind fast das einzige westliche Land, in dem Vergewaltigung nicht verjährt - auch wenn in der Schweiz gerade ein ähnliches Gesetz diskutiert wird. In Deutschland beträgt die Verjährungsfrist maximal zehn Jahre. Wäre die Tat hier geschehen, Polanski wäre seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr zu belangen.

Die Schweiz ist allerdings auch das einzige dieser westlichen Länder, das in seinem Auslieferungsabkommen die fremde, nicht die eigene Verjährungsfrist zum Maßstab nimmt. Wir dürfen also mit Fug und Recht für Unrecht halten, was in der Schweiz doch rechtens ist.

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