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Der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm.
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Der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm.

Times mager

Poesie über Wiesbaden: W-Ort

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Die Poetisierung einer Stadt: Peter Stamms Projekt „W-Orte“, nun Wiesbaden feiernd.

Ein Lichtblick muss her. Da ist er schon.

Der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm hat für die Wiesbadener Literaturtage im September das Projekt „W-Orte“ in Gang gesetzt, bei dem gar nicht so sicher ist, ob ihm der volle Reiz auch voll bewusst ist. Vordergründig war es einfach naheliegend, den gemeinsamen Anfangsbuchstaben der beiden Wörter „Wort“ und „Wiesbaden“ zu nutzen (nicht zufällig stammt die Idee aus Winterthur). Hintergründig ist Wiesbaden eine literarisch nicht sehr stark okkupierte Stadt, und das ist vorsichtig ausgedrückt, denn Wiesbadenerinnen und Wiesbadener sind an diesen Punkten empfindlich. Man hat Kurtradition, auf die man, zu Recht, auch ohne Kur stolz ist. Gustav Freytag und Multatuli sind so unterschiedliche wie wichtige Autoren. Hingegen stellt sich bei der Frage, welches Bad Dostojewski mit Roulettenburg („Der Spieler“) meinte, bereits Konkurrenz ein. Die wohlfeile Clubausgabe der Großmutter zeigte auf dem Umschlag aber eindeutig das Wiesbadener Kurhaus. Bilder mögen lügen, aber sie schaffen auch Fakten. Allerdings könnte es sich um jene Ausgabe gehandelt haben, in der statt „Spielbank“ immer „Bahnhof“ gestanden haben soll. Vielleicht nichts als eine Familienlegende, die den ehrenwerten Beruf von Buchclubausgabenübersetzern und -übersetzerinnen in Misskredit brachte.

Aber es gibt keinen Grund abzuschweifen. Peter Stamms „W-Orte“-Projekt dient der Poetisierung einer schönen, aber nur relativ poetischen Stadt. Auf einem digitalen Stadtplan, der ausgezeichnet funktioniert, kann jeder, der mitmachen möchte, eine Eintragung vornehmen, „gereimt oder in Prosa, als Haiku, Anagramm, Knittelvers“. Hundertfünfzig Zeichen. Das ist sympathisch niedrigschwellig. Man wünscht sich gleich einen Plan, der ganz gelbgrün ist von Eintragungen. Und auch, wenn man von Berufs wegen die ewige Zuschauerin bleibt, wird man sich womöglich angewöhnen, alle paar Tage zu schauen, ob weitere gelbgrüne Rechtecke neue Einträge ankündigen. Es ist noch reichlich Platz. Man drückt auf ein Rechteck und Einträge zum Opelbad, zur Seerobenstraße oder zum Aukamm erscheinen, vertraute Klänge, dazu aber die Erinnerungen und Ideen anderer.

Jedem steht frei, beim Blick auf den Plan zumindest zu überlegen, wo die wichtigsten privaten Orte liegen. Vielleicht auch ein Ort des absoluten Schreckens, der dadurch nicht besser oder noch schrecklicher wird, dass man alle paar Wochen an ihm vorbei-, über ihn hinwegspaziert. Es ist sogar eher ein Vorteil und ein Vorteil damit auch von Heimat: Der Schrecken legt sich nicht, aber er kann einfach dazugehören.

Jedenfalls lohnt es sich, die Seite w-orte.de aufzurufen.

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