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Ein Maurer beim Mauern. Ob dabei sein Dekolleté zu sehen war, ist nicht überliefert.
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Ein Maurer beim Mauern. Ob dabei sein Dekolleté zu sehen war, ist nicht überliefert.

Times Mager

Po

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Was will uns die Person sagen, die weiße Zettel über das Bild mit dem Maurerdekolleté klebt? Und was will uns die Person sagen, die ihn immer wieder entfernt?

Neulich in Düsseldorf: Da hängt ein Plakat, das tief blicken lässt. Abgebildet ist ein Bauarbeiter mit Helm und Warnweste, der seiner Arbeit in gebückter Haltung nachgeht. Tief in den Knien hockend verrichtet er etwas auf dem Boden. Was, weiß man nicht, man sieht ihn von hinten. Die Hose ist ihm weit nach unten, das Hemd nach oben gerutscht. Man sieht also das, was landläufig als Maurerdekolleté bezeichnet wird: die Poritze. Das Plakat dient als Sichtschutz auf eine Baustelle im Außenbereich des Düsseldorfer Kunstpalastes. Die Aufschrift lautet: „Klee meets Dekolleté“. Das ist natürlich lustig. Erst mal. Noch lustiger ist aber, dass jemand auf die verfängliche Stelle einen kleinen weißen Zettel geklebt hat. Ortskundige berichten, dass dieser wirklich ziemlich kleine Zettel regelmäßig abgerissen und umgehend erneuert werde. Derjenige, der die Ritze verdeckt, überprüft demnach täglich, ob sein Sitte und Anstand herstellendes Werk der Erneuerung bedarf.

Man fragt sich natürlich: Wer tut so etwas? Eine grimmige Rentnerin, die die Gesellschaft vor dem doch allzu privaten Anblick beschützen will? Einer der Bauarbeiter, der sich verhohnepiepelt fühlt? Oder vielleicht ein Gleichstellungsbeauftragter, der sich darüber empört, dass hier Männern zugemutet wird, worüber man sich bei Frauen zu Recht massiv beschweren würde? Vielleicht ist es ja auch das male model himself, das sich schämt. Zu erkennen ist der Herr - wie gesagt - nicht, aber vielleicht gibt es ein von uns wegen des Zettels übersehenes Charakteristikum, das ihn einzigartig macht, ein Muttermal zum Beispiel.

Und wer – diese Frage erscheint noch weit rätselhafter – ist es wohl, der den Zettel täglich wieder abreißt? Ein Mensch, der den Anblick auf allzu Menschliches genießt? Ein Ordnungsfanatiker, der findet, das Zettel nicht auf Plakate gehören? Oder eine Gleichstellungsbeauftragte, die der Ansicht ist, dass es endlich an der Zeit sei, Männer in der Öffentlichkeit bloßzustellen, da dies Frauen schließlich jahrzehntelang zugemutet wurde.

Oder wird hier womöglich eine Art Grabenkrieg ausgetragen, bei dem es nur darum geht, wer den längeren Atem hat? In Frankfurt gibt es im Günthersburgpark eine Bronzeskulptur des belgischen Bildhauers Constantin Meunier, die einen Feldarbeiter darstellt, der Saatgut ausstreut. Auf den Sockel hat jemand die Worte „Sei frei, immer!“ gesprüht. Immer wieder. Seit vielen Jahren schon. Egal, was die Stadtreinigung unternimmt, bereits am nächsten Tag stehen die Worte wieder da. Liegt hier jemand seit Jahren auf der Lauer? Eher nicht. Es scheint vielmehr eine Reihe von Menschen zu geben, die finden, dass ohne die Freiheit hier etwas Entscheidendes fehlt. Vielleicht verhält es sich mit dem Po-Zettel ja ganz genauso.

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