Ein ziemlich schlapper Rocksong ist auf der Playlist, einer, in dem „dance“ wegen des Reimes auf „chance“ sein muss – und eines coolen Typen wie Obama eigentlich unwürdig.
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Ein ziemlich schlapper Rocksong ist auf der Playlist, einer, in dem „dance“ wegen des Reimes auf „chance“ sein muss – und eines coolen Typen wie Obama eigentlich unwürdig.

Times mager

Playlist

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Barack Obamas Playlist zu seinen eben erschienenen Memoiren scheint doch manche Botschaft an einen gewissen T**** zu enthalten ....

Ein Kind träumt von Ruhm und Reichtum / Ein Kind hilft, die Miete zu zahlen / Eines könnte irgendwann im Gefängnis landen / Eines könnte Präsident werden (…) Nur in Amerika / Träumen wir so groß wie wir wollen / Alle bekommen eine Chance / Jeder kann tanzen / Nur in Amerika.“

„Only In America“ von Brooks & Dunn (hier in Übersetzung) steht auf der Playlist, die Barack Obama in dieser Woche aus Anlass des Erscheinens seiner Memoiren veröffentlicht hat. Ein ziemlich schlapper Rocksong, einer, in dem „dance“ wegen des Reimes auf „chance“ sein muss – und eines coolen Typen wie Obama eigentlich unwürdig, so dass sich das Times mager fragte: Was will der Ex-Präsident uns damit sagen? Will er jemanden dissen und wer könnte das sein? Vielleicht möchte er Lust machen, zum Beispiel aus dem Weißen Haus hinauszutanzen. Gewiss möchte er nicht andeuten, dass ein Präsident in der Institution untergebracht werden könnte, die ebenfalls oben genannt wird.

Dass „Michelle“ von den Beatles auf der Obama-Playlist steht, ist keine Überraschung. Misstrauisch macht aber gleich wieder Frank Sinatras „Luck Be a Lady“, denn wer könnte nach Meinung des rumjammernden Sprechers gerade seine Manieren vergessen haben, wer könnte sich weigern, treu zu sein? Das Glück, das Volk, Melania? Und dann Eminems „Lose Yourself“, eine rätselhafte Wahl mit der rätselhaften Zeile „Auf seinem Pulli ist schon Kotze, Moms Spaghetti“? Wo man doch weiß, dass der Präsident mit Spaghetti nichts am MAGA-Hut hat. Ein Fall für die Profis unter den Textexegeten.

Obama scheint jedenfalls vorgesorgt zu haben für Trauer-Phase zwei („Wut und andere aufbrechende Emotionen“), für den Moment, in dem der, der mit der Playlist gemeint sein könnte, endlich fast geht und beleidigt brummt: Du weißt, du hast mich schlecht behandelt, Baby, und es wird dir eines Tages leid tun (B. B. King, „The Thrill Is Gone“).

Nachhelfen könnte Bob Dylans „The Times They Are a-Changin’“, etwa: Steh nicht in der Tür, blockier nicht den Flur, denn der Blockierer wird auf die Nase bekommen. Und dann auch Aretha Franklins „The Weight“, wo jemand sein Bündel schnürt und nach einem Platz sucht, an dem er sich verstecken kann.

Dem lässt Obama, der ja kein Unmensch ist, „Beautiful Day“ von U2 folgen: Du bist unterwegs, du hast kein Ziel, du steckst im Dreck – aber hey, es ist ein schöner Tag. Und schließlich, das kann kein Zufall sein, „My 1st Song“ von Jay-Z, in dem es heißt: Ich geh jetzt golfen, Mann ay, ich könnt’ sogar einen Cappuccino trinken, fuck it, ich geh irgendwo hin, wo es nett ist.

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