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Palcebo hin oder her: Auch ein doppelter Espresso kann manchmal Wunder bewirken.

Times mager

Placebo

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Bin ich überzeugt, dass etwas die ganze Konzentration erfordert, so widme ich mich ihm auch aller Konzentration.

Die schlechte Nachricht am Anfang: Auch Frauen können nicht mehrere Dinge gleichzeitig erledigen oder auch nur im Auge behalten, neudeutsch multitasken. Und nun die gute Nachricht: Wenn jemand glaubt, dass eine Aufgabe hochkomplex ist, also eine Art Multitasking erfordert, erledigt er oder sie die Aufgabe sorgfältiger und besser, als wenn man ihm vorher sagt, die Sache sei doch simpel. Psychologen der Universität von Michigan, die Multitasking-Tests ausführten, sprachen im Zusammenhang ihrer Forschungsergebnisse vom „Büro-Placebo“: Wenn ich überzeugt bin, dass etwas meine ganze Konzentration erfordert, dann widme ich mich ihm meistens mit ganzer Konzentration. Das hilft.

Das Times mager hat also, um nach Einnahme eines solchen Büro-Placebos bessere, ach was, die besten Times mager zu verfassen, die Optionen erwogen: Erstens, es bittet eine Vorgesetzte/einen Vorgesetzten, schnell noch mal die ungeheure Komplexität der Times-mager-Aufgabe zu betonen. Hm. Man könnte die Bittstellerin für exzentrisch halten. Zweitens, wahrscheinlich placebomäßig aber nicht ganz so effektiv: Es bittet eine Kollegin/einen Kollegen, die ungeheure Komplexität der Times-mager-Aufgabe bewundernd zu erwähnen. Hm. Auch nicht ganz unproblematisch. Drittens, es sagt sich selbst: Puh, verflixt, ist das schwer.

Drittens war leicht in die Tat umzusetzen – half aber nichts. Denn erstens glaubte der selbstdosierende Mensch das nicht. Zweitens ist ein Placebo ja nur wirksam, wenn es kein Schild umhängen hat: „Ich bin übrigens nur ein Placebo“. Und drittens folgte dem „Puh, verflixt“ sofort der Gedanke (und schien irgendwie immens praktisch): morgen früh – ausgeschlafen, frisch geduscht, einen doppelten Espresso auf der Zunge – flutscht alles bestimmt viel besser. Und dann schien es auch gleich naheliegend und sinnvoll, erst einmal zum Thema Aufschieben zu recherchieren (die Engländer nennen es Procrastination, ein rumpeliges, unwilliges, darum vorzüglich passendes Wort). Denn gewiss gilt es überhaupt erst den inneren Schweinehund zu besiegen, ehe es zum Einsatz eines wie auch immer gearteten, von wem auch immer verabreichten Placebos kommen kann.

Blinzeln da allerdings nicht Staubkörner herüber? Und wäre nicht die Spülmaschine auszuräumen? Und ist nicht das Staubsaugen eine quasi meditative Tätigkeit, bei der einem allemal eine gute Idee kommen kann? Freilich lehrt die Lebenserfahrung, dass, sobald der Staubsauger wieder aufgeräumt ist, einem die Idee auch schon irgendwie unbrauchbar vorkommt. Aber was dann?

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