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Zehn Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger sind inzwischen geimpft.
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Zehn Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger sind inzwischen geimpft.

Times mager

Pieks

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Zehn Millionen Menschen in Deutschland sind geimpft, und es ist dem Fernsehen gelungen, praktisch jede einzelne Spritzenverabreichung zu zeigen. Glückwunsch. Grimme-Preis.

Dieses Osterfest wird später mal in die Geschichte eingegangen sein. Und zwar als das Osterfest, an dem gewisse Gesellschaftskreise mehr echte Hasen aus Ohren und Fell gesehen haben als solche aus Schokolade. Es kommt allerdings drauf an.

Sind Sie Supermarktpersonal und/oder Elternteil, haben Sie vielleicht doch mehr Schoko-Häschen gesehen. Sind Sie beides nicht, sondern huschen Sie nur vollvermummt durch den Einzelhandel in diesen ansteckenden Zeiten, und gehen Sie frühmorgens gern hinaus, um Störche beim Ausbau des Einfamilienhorsts zu besichtigen oder den ersten Kuckuck kuckucken zu hören, dann rennen sie Ihnen zwangsläufig über den Weg: Hasen und Hasenartige.

Das war der Textabschnitt zum Wohlfühlen, denn wer möchte nicht beim Frühstück etwas Flauschiges lesen? Jetzt der fiese Teil: Leider wird das gängige Überangebot an österlichen Hasen-, Hennen- und Kükendarstellungen in diesem Jahr vor allem getoppt von Spritzendarstellungen an und in Oberarmen. Zehn Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger sind inzwischen geimpft, Pi mal Daumen. Es ist dem deutschen Fernsehen in einer Kraftanstrengung gelungen, jede einzelne dieser Spritzenverabreichungen zu zeigen. Glückwunsch. Grimme-Preis.

Kein Bericht über einen Impfstoff, ein Impfzentrum, einen Impfstreit, der nicht mit dem Stich in den Arm verbildlicht worden wäre. Pieks. Es tut nicht weh am Arm. Es tut auf Dauer weh im Auge. Intendantinnen und Intendanten! Das Fernsehpublikum weiß, wie eine Impfung funktioniert! Es ist schon einmal geimpft worden. Teile davon mehrmals. Tetanus, Pneumokokken, Grippe. Ja: Man sticht eine Spritze in einen Arm. Ja. Schon Kinder wussten das, als sie einander mit Instrumenten aus einem roten Arztkoffer gegen Bauchweh, Schluckauf und Beinbrüche impften, die größten bekannten Bedrohungen jener Zeit.

Es mag TV-Sender geben, deren Stammpublikum so liebenswert alt ist, dass es hin und wieder etwas vergisst. Was noch mal? Ah ja, das mit den Spritzen. Wohin piekst man die noch gleich? In den Oberarm, Edelberte. Ach! Aber ist es deshalb notwendig, den ganzen Tag, in jeder Nachrichtensendung, in jeder Talkshow, bald sicher auch in jeder Kochshow und jeder Fußballhalbzeitpause Spritzen zu zeigen, die in Arme gestochen werden?

Gesichertes Allgemeinwissen ist übrigens auch, dass Schoko-Hasen nach Ostern besser schmecken, weil sie dann auch noch günstiger zu ergattern sind. Das hat uns das Leben eingeimpft. Die Analogie zum Weihnachtsmann lassen wir diesmal stecken.

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