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Flacher geht‘s ja wohl nicht.

Times mager

Pflöcke

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Eine literarische Fake news hält sich: Dass nämlich das Monster „Frankenstein“ heißt. Von Monstern und Monstern. Die Feuilleton-Kolumne.

Frankenstein oder Dracula, das war kürzlich die Gruseligkeits-Preisfrage unter Kollegen, die zugunsten von „Frankenstein“ entschieden wurde, zugunsten des Romans, dessen Monster ein ganz besonderes, ein gleichsam komplex zusammengesetztes Monster ist. So besonders, so komplex, dass es sich auch den Namen seines fiktiven Schöpfers anzueignen verstand, denn gleich nach dem Irrtum, mit vollem Magen schwimmen zu gehen sei ungesund, möglicherweise tödlich, hat sich jener auf der Welt breit gemacht, Frankenstein sei der Name des Monstrums. Auf Platz drei der Irrtums-Hit-Produzierer folgen die Anhänger des Glaubens, die Erde sei eine Scheibe.

Jahr für Jahr trifft sich die Flat Earth Society irgendwo auf der Welt, der Flug dorthin zeigt den Vereinsmitgliedern aus der Nähe, dass Wolken flach sind (mehr oder weniger), es also auch die Erde sein muss (mehr oder weniger). Das ist fidele, nicht hoch gestapelte, sondern verbreiterte Flach-Erdler-Logik – denn ist nicht jede Virtualität und damit auch das Internet per se flach? Muss darum nicht auch alles darin Enthaltene flach sein? Eben.

Flunderplatt auch diese, nun ja, Beweisführung: Die Antarktis bildet die Ränder der Erde, riesige Eiswände verhindern, dass Schiffe und Menschen runterfallen, bewacht werden die Wände von Polizisten oder Soldaten, auf dass sich Unbefugte nicht nähern können. Mist nur, dass die Bewacher bald mehr als nur nasse Füße bekommen, dass sie vermutlich jetzt schon rudern müssen, während sie den Horizont mit Ferngläsern nach Menschen absuchen, die unbedingt über den Rand gucken möchten und Frostbeulen nicht scheuen. Und was passiert mit diesen Neugierigen? Das Times mager möchte wetten, sie werden auf den, äh, flachen Mond geschossen.

Wo sie, so würde es sich das Times mager gern vorstellen, auf alle Verbreiter von Fake news treffen. Auf jenen etwa, der eine „EU-Verordnung zur Einfuhr von Karamellbonbons“ erfunden hat, die angeblich 25 911 Wörter hat. Die Luna-Union, so hört man, hat ihn dazu verurteilt, genau 25 911 Mondstäubchen zusammenzusuchen. Oder auf jenen, der eine Wetterkarte verändert hat. Es heißt, er müsse nun auf dem Mond ohne Schirm im Mondkalb-Regen stehen, der außerdem nicht direkt aus Wasser bestehe.

Übern Mondschalen-Rand guckt bestimmt auch der alte Mann, der dem Kind einst erzählte, gegen einen Vampir helfe kein Knoblauch, kein Kruzifix und kein Weihwasser – nur der Pflock ins Herz. Fake news, die das Kind heimlich in den Werkzeugschuppen führte. Und die Mutter später zur Frage, was bloß das Aststück und der Hammer unter dem Bett bedeute.

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