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Einem geschenkten Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul!
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Einem geschenkten Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul!

Times mager

Pferd

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Ein „Geschenk für treue Kunden“ und zwar ein Gratis-Geschenk. Wer kann sich da noch zügeln?

Dass mit Pferde-Metaphern vorsichtig umzugehen sei, ist allseits bekannt, denn, um es mal unvorsichtig zu formulieren: In ihnen steckt so mancher Pferdefuß. Die größte Kunst allerdings besteht darin, diese edlen Tiere möglichst diskret in Sprachbildern unterzubringen. Es folgt jetzt ein Beispiel.

Schon die Umschlaggestaltung des von einem Versandhandel gestalteten Werbeschreibens, das bereits nach der ersten Bestellung einging, erregte höchste Aufmerksamkeit. Ein „Geschenk für treue Kunden“ wurde dem noch vergleichsweise neuen Kunden versprochen, aber wirklich aufsehenerregend war die gleich hinzugefügte Aufforderung: „Entdecken Sie Ihr GRATIS-GESCHENK!“

Der Reflex, das Geschenk umgehend zu bestellen, war bereits durch den zuerst genannten Aufdruck ausgelöst worden. Warum nicht?, dachte sich der treue Einmal-Kunde, einem geschenkten Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul! Aber bei dem Hinweis, dass es sich bei dem Geschenk sogar um ein Gratis-Geschenk handele, ging die galoppierende Gier mit dem Empfänger des erfreulichen Schreibens durch.

Was ist das für eine Ehre, ein Geschenk nicht nur zu erhalten, sondern noch dazu gratis! Kurz flammte der Gedanke auf, die vom Versandhandel beauftragten Umschlag-Textenden hätten sich womöglich ein wenig vergaloppiert und unbewusst darauf angespielt, dass die Geschenke von Versandhandelnden in der Regel so kostenlos auch wieder nicht seien. Aber dann zeigte sich rasch: So dumm konnten sie nicht sein. Denn obwohl sicher nicht im Staatsdienst beschäftigt, ließen sie den Amtsschimmel derart wiehern, dass jeder Bürohengst umgehend Stallgeruch verspürt hätte.

„ACHTUNG! BITTE senden Sie Ihr „Bevorrechtigte Zuteilung“-Zertifikat ein, um Ihre Bohrmaschine als GRATIS Geschenk zu erhalten“, hieß es auf der Umschlag-Rückseite und: „Diese Bohrmaschine wurde Ihnen am 07. September 2021 zuerkannt!“

Schnell war der Umschlag aufgerissen und die „Offizielle Mitteilung im Auftrag und mit Unterschrift der Direktion“ herausgeklaubt, in der es unmissverständlich hieß: „Am 07. September haben die Mitglieder unserer Direktion Ihnen offiziell zuerkannt: Bohrmaschine… im Rahmen der Aktion ‚Geschenk für treue Kunden‘.“

Aber wissen Sie, was das Problem ist? Es traut ja niemand mehr unserer produzierenden und versendenden Wirtschaft. Misstrauen weht Menschen entgegen, die nichts anderes im Sinn haben, als ihre Geschenke gratis zu verteilen. Am Ende sagte der beinahe mit Bohrmaschine Beschenkte zu seiner Frau, das Ding sei sicher ein trojanisches Pferd. Und beim nächsten Mal versuchen wir es mit den Metaphern etwas diskreter.

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