1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Vom Pferd

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Man kann nie wissen, wann man wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich auf Pferde beziehen, brauchen kann.
Man kann nie wissen, wann man wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich auf Pferde beziehen, brauchen kann. © Imago

Was geht mich das linke Auge vom Pferd an? So wird nun mancher fragen, aber er hat nicht weit genug gedacht.

Es ist zwar eine Tatsache, dass sich der durchschnittliche Pendler, der seinen Arbeitsplatz in der Stadt aufsuchen möchte, eher selten auf einen Pferderücken schwingt, sich lieber auf dem Bahnsteig die Beine in den Bauch steht, so dass er irgendwann sogar in die 8-Uhr-S-Bahn schlüpfen kann (sobald er nämlich so klein ist, dass sein Kopf unter den Bierbauch des Nebenmanns passt. Tipp: Atemschutzmaske nicht vergessen!). Aber man kann nie wissen, wann man wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich auf Pferde beziehen, brauchen kann. Sozusagen Geschichten vom Pferd.

Zudem sind wir selbstverständlich immer bestrebt, den Gebrauchswert dieser Glosse zu erhöhen. Denn man kann auch nie wissen, ob nicht bald eine App erfunden wird, mit der jeder Leser, jede Leserin eine Kosten-Nutzen-Messung für Zeitungsspalten vornehmen kann. Und schon blinkt hier ein Wert von 4,87 auf (mit 0,93 wird „Kopf unter den Bierbauch des Nebenmannes“ honoriert, dazu kommt der Tipp mit dem Atemschutz, immerhin 3,94). 4,87 allerdings liegt noch unter jedem Arztroman. Von dem ja mindestens Hypochonder immens profitieren können, wenn ihnen die Krankheiten auszugehen drohen.

Aber statt Nützlichkeitspunkte zu sammeln, schweift dieses Times mager schon wieder ab. Wir möchten uns dafür entschuldigen. Und zum Eigentlichen kommen: Schauen Sie nie ein Pferd, von dem Sie unter Umständen noch etwas wollen – ins Büro reiten, zur Nervenberuhigung seine weiche Schnauze streicheln, mit Hilfe seiner Äpfel die Rosen überwintern – böse an. Wissenschaftler haben herausgefunden: Das Pferd merkt sich Ihren Typ. Und wird Sie auch Stunden oder gar Tage später noch mit dem linken Auge ansehen. Denn mit dem linken Auge schickt ein Pferd Informationen in seine rechte Hirnhälfte, dorthin, wo Unangenehmes verarbeitet wird – früher Säbelzahntiger, heute eben schlecht gelaunte Leute. Mit dem rechten dagegen sendet es ins linksseitige Gehirn: Mit diesem Menschen kann man Pferde stehlen.

Es bleiben jetzt natürlich weitere wissenschaftliche Schritte zu tun, da ja in der Tat viele sagen werden: Was geht mich das linke Auge vom Pferd an? Ich streichle bei Bedarf meinen bei 60 Grad waschbaren Hochflor-Bettvorleger, das ist sowieso hygienischer.

Es liegt aber nahe, dass die Ergebnisse der Untersuchung auf andere Spezies anwendbar sind, etwa auf Homo sapiens. Vielleicht beobachten Sie einfach mal, ob Sie Ihren Chef oder Ihre Chefin vorrangig mit dem rechten oder dem linken Auge ansehen. Und wenn Sie dann noch schnauben, ist die Sache klar.

Auch interessant

Kommentare