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Kolumne

Pfefferminz

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Von den Viktorianern ist vor allem überliefert, dass sie prüde waren. Aber das kann man ja heute fast schon wieder gut finden. Die Älteren unter uns gehen selbstverständlich davon aus, dass früher alles besser war.

Die Älteren unter uns gehen selbstverständlich davon aus, dass früher alles besser war: Dass der Schweineschinken immer naturrein, die Sozialhilfe- oder Steuerbescheide tadellos, die Züge pünktlich, die Mädchen ohne Kopftuch waren, dass sogar die harten, schneereichen Winter den Anstand hatten, nicht in eine Katastrophe zu führen. Und die Kultur ... du meine Güte! Zweifellos wurde einst besser gespielt, schöner getanzt, sinniger inszeniert.

Man nehme nur mal die Krimiflut. Vermutlich ist es möglich, 24 Stunden am Tag nur von Fernsehkrimi zu Fernsehkrimi zu schalten. Ganz zu schweigen von den Stapeln in den Buchhandlungen, die anschwellen wie derzeit die Flüsse. Eine mordsmäßige Sensations- und Grausamkeitslust muss den modernen, wohlstandsgepäppelten Menschen im Griff haben.

Von den Viktorianern ist vor allem überliefert, dass sie prüde waren. Aber das kann man ja heute fast schon wieder gut finden. Die Briten – und nicht nur die – hatten jedoch bereits in der guten alten Zeit auch erhebliches Interesse am Verbrechen und seiner drastischen Bestrafung (die Historikerin Judith Flanders zeichnet das im eben erschienenen „The Invention of Murder“ nach). Wenn er auf ein richtiges Volksfest wolle, riet eine viktorianische Londonerin ihrem deutschen Gast, solle er an einem Hinrichtungstag zum Newgate-Gefängnis gehen. Dort gab es dann auch Kekse und Pfefferminzbonbons zu kaufen, die die Namen der Verurteilten trugen. Mehrere Seiten widmeten die schmalen Zeitungen der Zeit entsprechender Berichterstattung. Und gern schilderte man – auch frei erfundene – Einzelheiten wie die, dass ein Verurteilter schon in jungen Jahren damit aufgefallen sei, dass er „eine Peitsche um eine Pferdezunge wickelte und diese mit der Wurzel ausriss“.

Die beliebtesten Schreckensszenarien der viktorianischen Zeit waren: Giftmorde, Dienstboten, die ihre Arbeitgeber umbrachten, Mütter, die ihre Kinder umbrachten, um Geld von Begräbnisgesellschaften zu kassieren. Einen Vorteil allerdings hatten die Viktorianer dann doch: Sie konnten, wen sie nicht aufhängen wollten, nach Amerika oder Australien verschiffen. Heute macht schon ein Guantánamo furchtbar Ärger.

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