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Pfälzer

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Von: Stephan Hebel

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Von Rheinland-Pfalz hinaus in die USA: Friedrich Trump, Großvater des neuen US-Präsidenten Donald Trump.
Von Rheinland-Pfalz hinaus in die USA: Friedrich Trump, Großvater des neuen US-Präsidenten Donald Trump. © Gemeinfrei

Der 1885 im Alter von 16 Jahren ausgewanderte Friedrich Trump hatte den Grundstein des Familienvermögens gelegt. Aber was hat er sonst noch vererbt?

Stammgast R. kam ohne Umschweife zur Sache: „Wusstest Du, dass die Pfälzer die Sizilianer Deutschlands sind?“, rief er dem kaum eingetroffenen Stammgast S. voller Erregung zu, „das erklärt doch alles“.

Mit „alles“ war natürlich Donald Trump gemeint, der ja, wie Stammgast R. rekapitulierte, der Abkömmling eines Großvaters aus Kallstadt in der Pfalz sei, welcher im Rahmen einer illegalen Ausreise (weil unter Umgehung des Militärdienstes!) 1885 in die USA ausgewandert sei.

Was das mit Sizilien zu tun habe, frage Stammgast S., inzwischen platziert, vorsichtig nach. „Das ist jetzt nichts mit Mafia“, beeilte Stammgast R. sich zu versichern. Vielmehr sage man den Sizilianern wie den Pfälzern nach, dass sich hinter ihrem genussfreudigen und entspannten Äußeren eine gewisse Impulsivität verberge, die dann eben gelegentlich ausbreche. Man solle sich nur mal ansehen, was auf dem Betzenberg los sei, wenn ein Elfmeter gegen den 1. FC Kaiserslautern gepfiffen werde, das sei auch nicht viel anders als Trumps Wahlkampf.

Die Anmerkung des Fußballfachmanns J., im Frankfurter Stadion gehe es genauso zu, wenn ein Elfmeter gegen die Eintracht gepfiffen werde, wischte Stammgast R., der diesen Verein sehr liebt, mit einem souveränen „Darum geht es jetzt nicht“ vom Kaffeehaus-Tisch. Hier sei die Rede von den pfälzischen Wurzeln des Donald Trump, und die werde er jetzt mit seinem Telefon noch einmal googeln.

Schnell hatte sich herausgestellt, dass der 1885 im Alter von 16 Jahren ausgewanderte Friedrich Trump den Grundstein des Familienvermögens zunächst als „Bader“, also eine Art Friseur, und dann mit einem gastronomischen Betrieb gemacht habe, den man zeitgenössischen Quellen zufolge ohne Umschweife als Bordell bezeichnen könne.

„Haare und Weiber“, resümierte Stammgast R. übertrieben rustikal, um gleich anschließend anhand der von Enkelchen Donald bekannten Äußerungen und Äußerlichkeiten gewisse Vererbungstheorien anzudeuten, die, wie er betonte, natürlich keineswegs wissenschaftlich belegbar, aber aus Sicht des halbwegs weltgewandten Kaffeehaus-Zeitungslesers doch eigentlich logisch zwingend seien.

Fußball-Experte J. kam kurz noch auf Sizilien zurück und versah Stammgast R. mit einem fragwürdigen Kompliment: „Du kennst Dich aus in der Welt: Bockenheim, Sizilien und jetzt auch noch die Pfalz.“

Stammgast R., für seine Bescheidenheit bekannt, lächelte und sprach: „Bin halt rumgekommen in meiner Jugend.“

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