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Ein Höhepunkt ist, wie Lauren Bacall den Verband abnimmt, eine so zärtliche Szene, dass Bogart nicht einmal zuckt.
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Ein Höhepunkt ist, wie Lauren Bacall den Verband abnimmt, eine so zärtliche Szene, dass Humphrey Bogart nicht einmal zuckt.

Times mager

Perspektive

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Die schwarze Natter“ mit Lauren Bacall und Humphrey Bogart wieder mal gesehen – und gestaunt.

Auf der A3 im Stau gestanden, Theater verpasst, wütend „Die schwarze Natter“ eingelegt. „Die schwarze Natter“ ist auch unter dem Titel „Das fremde Gesicht“ bekannt, das amerikanische Original von 1947 heißt „Dark Passage“. „Die schwarze Natter“ ist ein unsinniger Name, bis man begreift, dass er sich vage gegen die unsympathische Täterin richten soll, nach Kräften auch unsympathisch gespielt von Agnes Moorehead. Sie muss ihre Schlechtigkeit in ihrem Gesicht vor sich hertragen wie auf einem altmeisterlichen Gemälde. Dazu kommt eine missgestaltete Flechtfrisur. Falls man diesen steifen, am Hinterkopf montierten Platsch als Frisur bezeichnen will. Die Täterin ist dazu verdammt, eine Vorgängerin vieler späterer Krimiserienmörderinnen zu sein. Die Motivlage wie so häufig: haltlos.

Kriminell kamen uns bei den Frauen nur die Garderoben vor, insgesamt. Während man sich fragt, wie die wunderbare Lauren Bacall so einen unförmigen Morgenmantel kaufen und dann noch eine Jahrmarktbrosche daran befestigen konnte, fragt ein chancenloser Liebhaber sie, warum sie sich so schick gemacht habe, wenn sie doch angeblich allein sei.

Fürwahr. Im oberen Stock hat sich Humphrey Bogart versteckt, dem diese textile Geschmacksverirrung gewidmet war. Dabei sieht Humphrey Bogart zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal aus wie Humphrey Bogart. „Die schwarze Natter“ ist der Film, in dem sich ein entsprungener Sträfling fix ein neues Gesicht machen lassen muss, eben das von Humphrey Bogart. Ein Höhepunkt ist, wie Bacall den Verband abnimmt, eine so zärtliche Szene, dass Bogart nicht einmal zuckt. Nur Bacall scheint sich kurz daran zu erinnern, dass das chirurgisch der Hammer war. Sie tut so, als würde sie noch ein wenig abtupfen.

Der Zorn über Staus, Krimidramaturgien und Kleidermoden hat sich inzwischen ganz gelegt. Höchste Zeit, darauf hinzuweisen, dass das Besondere an „Die schwarze Natter“ die Perspektive ist: Eine gute halbe Stunde lang sieht man die (finstere) Welt buchstäblich mit den Augen der Hauptfigur (später Humphrey Bogart). Die Mühen, die das gemacht haben wird, die totale Künstlichkeit, die das behält, sorgt beim Zuschauen dafür, dass man die Möglichkeit, die eigene Umgebung flugs in den Blick zu nehmen, wieder neu und stark empfindet.

Ähnliches demonstrieren auch laufende (durch die Gegend stolpernde) Roboter: Der Mensch ist zwar ein Schwächling und stirbt noch dazu am Ende, aber sein Körper hat gleichwohl überraschend viel zu bieten.

Ausgeglichen ins Bett geschlüpft, dort im Lampenlicht noch ein bisschen Gesichtsfeld genossen.

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