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Wie sieht ein arbeitsloser Vater einer Tochter aus? Eine Fahrt mit der Bahn kann das verraten.
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Wie sieht ein arbeitsloser Vater einer Tochter aus? Eine Fahrt mit der Bahn kann das verraten.

Times mager

Peinlichkeiten im öffentlichen Nahverkehr

Bald schauten alle durchs Fenster ins Schwarze: Was passiert, wenn einer keinen Euro geben will oder ein anderer keinen Fahrschein hat.

Wer gute Nerven hat, hat es immer leichter. Andere brauchen auf jeden Fall einen gültigen Fahrausweis, um über die Späßchen der Leipziger Verkehrsbetriebe zu lachen. „Für nur 60 Euro können Sie unseren freundlichen Innendienst kennenlernen.“ Das ist ziemlich gut. Jedoch spricht die Tatsache für sich, dass der Held in Lukas Bärfuss’ Roman „Hagard“ mit Mühe und Not vor einem allerdings abscheulichen (Zürcher) Kontrolleur auf den Bahnsteig flüchtet (unter Verlust eines Schuhs, die FR berichtete ausführlich). Er hat nicht nur keine guten Nerven, er hat auch überhaupt kein Geld, zudem keine Papiere. Delikat.

Wer nicht nur keine guten, sondern sogar schlechte Nerven hat, gerät unterdessen bereits in Verlegenheit, wenn es statt eines Kontrolleurs ein Bedürftiger ist, der durch den Waggon zieht in der Hoffnung auf Almosen. Geld nützt hier nicht viel, weil die Leute es anscheinend partout nicht hergeben wollen. Sie müssen schließlich auch nicht. Trotzdem genieren sie sich ein wenig. Während straffer Lebensberichte sowie 30-Sekunden-Musikdarbietungen winden sich Blicke haltsuchend um Stangen. Dabei müsste man hier noch im allerschlimmsten Fall – wenn einer den Druck des kategorischen Imperativs, der Lehren aus dem Konfirmandenunterricht, des allgemeinen Mitleids oder sonst etwas nicht aushielte – lediglich einem armen Kerl 1 Euro ins Becherlein legen.

Aber so einfach ist es eben nicht. Der Herr, vor dem diesmal der arme Mann in der Frankfurter U4 einen Moment länger stehen blieb, sagte beispielsweise Folgendes: Er sei arbeitslos und habe eine Tochter. So, da entwanden sich aber plötzlich alle Blicke den Haltestangen, und die Köpfe drehten sich zum Ort des Geschehens, und alle wollten freie Sicht. Schon war der Bettler hurtig ausgestiegen – kurze Konfusion eines Pärchens: Sind da Kontrolleure in Sicht? –, während der wieder still Zeitung lesende Herr weiterhin interessierte. So sieht ein Mann aus, der arbeitslos ist und eine Tochter hat. Gar nicht anders als die anderen. Bald schauten alle durchs Fenster ins Schwarze.

Der Mensch ist verlegen, wenn er nichts gibt (1 Euro) oder nichts hat (1 gültigen Fahrausweis), verlegen auch, wenn er plötzlich etwas über einen Wildfremden erfährt, verlegen aber ebenso, wenn er daraus nichts Sinnvolles machen kann.

Die Kollegin hat einen englischsprachigen Cartoon an die Bürowand gehängt, auf dem man eine Walküre sieht, die die Fahrgäste stoisch um 15 Stunden Aufmerksamkeit bittet. Wer gute Nerven hat, wird praktisch mit jeder Situation fertig.

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