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Wer Elton John in Amsterdam live hört, wird die Möglichkeit haben, ein kleines Gerät auszuleihen  und damit die Lautstärke nach eigenem Gusto zu regulieren.

Times mager

Peex: Sir Elton John, der Stöpsel Man

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Der letzte Schrei: Der Konzertsound zum Selbermixen mit Peex im Ohr. Elton John ist der Vorreiter.

An diesem Samstag tritt der britische Pop- und Hofsänger Elton John, Pardon: SirElton John, in Amsterdam auf. Konzertbesucher werden sich dann die Ohren verstopfen.

Das ist kein Misstrauensvotum gegen den 72-jährigen „Rocket Man“ oder seine Soundmischer. Obwohl, doch. Ein bisschen. Denn die Leute mit den Stopfen in den Ohren machen sich ihren eigenen Sound. Aber das machen sie ja inzwischen eh überall.

Elton John bietet seinem Publikum Peex

Eine spontane Umfrage unter drei Personen aus zwei Stadtteilen einer kleinen hessischen Metropole ergab, dass man zuletzt ungefähr 1997 sicher davon ausgehen konnte, angesprochen zu sein, wenn jemand hinter einem auf dem Trottoir die Stimme erhob. Plus/minus fünf Jahre. Da hatte man noch das beruhigende Gefühl: Entweder will der jetzt von mir die Uhrzeit wissen, oder er raubt mich gleich aus. Jedenfalls fühlte man sich noch als Passant ernstgenommen.

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Heute sagt dir jemand „Ja hi, was geht?“ in den Nacken, du drehst dich um, es handelt sich zu 97,2 Prozent um einen Menschen mit verkabelten bzw. kabellos verstopften Ohren, der ein Mobiltelefon so vors Gesicht hält, als wäre es eine Scheibe Brot, in die er gleich reinbeißen möchte. (Fehlende an 100 Prozent: Straßenräuber, Spendensammler, Verrückte, Hastemaldreieuros). „Ja hi, was geht?“ kann bei diesen Gelegenheiten sowohl der Beginn eines Telefongesprächs als auch eine Textzeile aus einem Hip-Hop-Song sein, den die Person mitrappt. Wer will, antwortet dann: „Yo, läuft!“, oder er lässt es bleiben, egal, hört ja eh keiner zu.

Peex, der Konzertsound zum Selbermixen

Der vermutlich meistverkaufte Artikel unserer Zeit ist der Bluetooth-Ohrstöpsel, der es ermöglicht, kabellos mit seiner Scheibe Brot zu kommunizieren (oder Podcasts zu hören; das ist etwas anderes und sehr zu empfehlen). Und damit zurück zu Elton John.

In Amsterdam werden seine Konzertbesucher die Möglichkeit haben, ein kleines Gerät namens Peex auszuleihen (zehn Euro) und damit die Stimme des Sängers lauter zu machen (oder leiser), Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards selbst zu regeln. Natürlich nicht über die Hallenlautsprecher, sondern jeder in seinen persönlichen Ohren mittels entsprechender Stöpsel. Das Ganze erinnert ein wenig an die sogenannten Silent Discos: Da bekam jeder einen Kopfhörer, und die Discobesucher hampelten, Textfetzen vor sich hinjammernd, durch einen ansonsten vollkommen stillen Raum. Daraus soll später das Genre des Zombie-Films entstanden sein.

Und jetzt also Peex, der Konzertsound zum Selbermixen. Revolutionär. Im nächsten Schritt könnte man die komplette Musik aus dem Telefon hören und dabei zu Hause auf dem Sofa sitzen.

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