Paulskirche Frankfurt
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Wie noch häufiger in Frankfurt zeigt sich im Paulskirchenkonflikt der wenig funktionstüchtige Zustand der Frankfurter Römerkoalition.

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Paulskirche

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Frankfurts Oberbürgermeister plädiert für eine Neunutzung des Plenums. Eine solche Sanierung greift zu kurz.

Die Sache ist die, dass die Römerkoalition in vielen Fragen aufsehenerregend zerstritten ist. Es kommt die Situation hinzu, dass es jetzt erneut einen Vorschlag zur Neunutzung der Paulskirche gegeben hat, einen weiteren, einen durch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Es ist nicht der erste, der überraschend war, und es wird womöglich auch nicht der letzte sein, der ins Leere gehen wird. Mit diesem einen, den er jetzt formulierte, hat er das Frankfurter Stadtparlament mit dem Vorhaben verblüfft, dieses solle künftig in der Paulskirche tagen. Die Reaktionen von Stadtverordneten zeigen unübersehbar, dass man von Feldmanns Vorschlag, unabgesprochen wie er war, nicht nur überrascht war, sondern sich auch überrumpelt fühlte.

Unter den gegenwärtig im Plenum der Paulskirche anzutreffenden funktionalen Bedingungen ist der Vorschlag vollkommen absurd. Die Anordnung der Bänke, die Art der Bestuhlung, keine Pulte, fehlende Trennung von Stadtverordneten und Zuschauern – nicht zuletzt: Wo säßen Magistrat und Präsidium? Nun, vielleicht hegt Feldmann den Plan eines Totalumbaus des Paulskirchenplenums, nach dem Vorbild von 1848, dem Ort der deutschen Nationalversammlung.

Dass mit dem „ziemlich ungepflegten Baukörper“ (FR v. 14./15. September 2019) unbedingt etwas zum Besseren geschehen muss, ist unbestritten – allerdings hat es verschiedene Anläufe, Semivorstöße, Halbrückzüge, Revisionen von Vorschlägen, Sanierungen von Ansinnen gegeben – wie häufiger im Leben ist es ein Unterschied ums Ganze, ob man über eine Sache bloß so redet oder ob man über sie auch spricht. Wie noch häufiger in Frankfurt zeigt sich im Paulskirchenkonflikt der wenig funktionstüchtige Zustand der Frankfurter Römerkoalition.

Denn diese ist intensiv beschäftigt mit ihren Animositäten und Aversionen. So etwas absorbiert natürlich Kräfte ungemein. Die fehlen dann ständig an anderer Stelle. Unvergessen, dass eine Frankfurter Dezernentin ihrem Magistratskollegen und Vorredner ein „Pillepalle“ vorhielt.

Nun, das ist der Ton, für den man Umgangsformen politischer Sozialisation aus langer Erfahrung energisch einbringt. Das hat mit der Paulskirche insofern etwas zu tun, als man sich nicht so recht vorstellen kann, wie ein Frankfurter Stadtparlament aus nicht nur funktionalen Gründen dort funktioniert. Es sei denn, man beschränkte sich nicht nur auf ein womöglich umbaufähiges Gebäude, sondern sanierte auch die innere Verfassung des Parlaments selbst.

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