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„I will find you. And I will Avada Kedavra you.“

TIMES MAGER

Pauline’s Purse

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Ein gemeiner Diebstahl, eine Geschichte, die Mitleid erregt, hunderttausende gebrochene Herzen im Internet.

Im Duell miese junge Verbrecher gegen arglose alte Leute folgt nun diese Gemeinheit: Paulines Portemonnaie wurde gestohlen. Sie ging in ein Selbstbedienungsrestaurant, um etwas zu essen und zu trinken, und das muss der Moment gewesen sein, als der Dieb zuschlug.

Wir wissen von der verwerflichen Tat, weil Geoffrey, 89, und Pauline, 87, seit vier Jahren ein Instagram-Konto haben. Da erzählten sie vorige Woche in einem kleinen Videofilm, was ihnen widerfahren ist. Geoffrey berichtet, Pauline legt weinend und erschüttert ihren Kopf an seine Schulter. „It’s black“, sagt sie einmal mit brüchiger Stimme, und am Ende, an die Zuschauer gerichtet: „Thank you.“

Die Tat in Coalville in der englischen Grafschaft Leicestershire und das Filmchen dazu stürmen durchs Internet. Hunderttausende haben gebrochene Herzen und verurteilen die Niedertracht. Professor Snape schreibt: „I will find you. And I will Avada Kedavra you.“ Das ist der tödliche Fluch aus den Harry-Potter-Romanen. Wobei es nicht der echte Professor Snape sein kann. Er starb im siebten Band. Aber trotzdem.

Die BBC und andere Nachrichtenkanäle nahmen sich des Falles an. Der böse Vorsatz des Täters ist erwiesen, weil er versuchte, mit einer der erbeuteten Karten Geld von Paulines Konto abzuheben. Bald nach Bekanntwerden der Tat waren Geoffrey und Pauline Gäste in der britischen Frühstücksfernsehsendung „This morning“. Da ging es ihnen zum Glück ein bisschen besser. Sie konnten schon wieder schüchtern lachen. Dass sie die Geldbörse zurückbekommen, mit all den Telefonnummern der Familie darin, das glauben sie, auch wenn so viele Leute suchen helfen, kaum. Dafür durften sie am „This-morning“-Glücksrad drehen und gewannen 1000 Pfund. Wenn das nichts ist.

Aber Diebstahl, Betrug, Rücksichtslosigkeit – wir müssen uns etwas überlegen, womit Paulines und Geoffreys Generation zurückschlagen kann. Wie wär’s mit dem Enkeltrick? Nur umgekehrt: „Hallo? Finn-Malte?“ – „Ja, wer ist dran?“ – „Dein Großvater.“ – „Mein Großvater? Opa Herbert?“ – „Äh, ja, genau! Du, meine Hüfte, mein Knie ... ich brauche eine OP. Kannst du mir Geld leihen?“ – „Aber mein Opa Herbert lebt seit 1997 nicht mehr.“

An den Details müssen wir noch feilen, aber die Methode wird sicher das Blatt wenden. Und wenn Sie Paulines Portemonnaie finden, bitte geben Sie uns Bescheid. Die beiden sind übrigens echte Europäer. Den Tag des Brexits erklärte Geoffrey in einem weiteren kleinen Film zum traurigen Tag. Und dann sang er „Hole In The World“ von den Eagles: Da ist ein Loch in der Welt.

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