Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nur in den großen Schauspielpremieren macht es einmal keinen Unterschied, in welcher Stadt man sich ins Parkett schlängelt.
+
Nur in den großen Schauspielpremieren macht es einmal keinen Unterschied, in welcher Stadt man sich ins Parkett schlängelt.

Times Mager

Parkett

Ein Vergleich zwischen Frankfurt und Stuttgart setzt sich bis ins Theater fort.

Man soll nicht verallgemeinern, aber während sich der Frankfurter kurz vor grobianischen Verhältnissen durch sein öffentliches Leben sputet, stumpt, hupt und murrt, fällt der Stuttgarter dem Fremdling immer wieder durch Höflichkeit auf. Man soll wirklich nicht verallgemeinern, aber Stuttgarter Cafébedienungen lächeln ihre Kundschaft sogar bisweilen an. Das heißt, sie lächeln sie immer an, es soll hier nur nicht so verallgemeinert klingen. Denn der Frankfurter ist – ohne es zu sehr verallgemeinern zu wollen – leicht zu verunsichern, was seine doch durchaus propere Stadt und ihre spezifischen Freizeitmöglichkeiten (Treppenschnellläufe in Hochhäusern, Grüne-Soße-Festival, Bernemer Mittwoch) betrifft. Unbeirrbar hingegen steht er zu den Umgangsformen seiner Servicekräfte. Auf eine unerklärliche Weise ist der Frankfurter zufrieden damit, ein Glas Apfelwein (notfalls mit Sprudel, der Wunsch nach schmackhaftem Limo-Zusatz gilt als dilettantisch und – weit schlimmer – unfrankfurterisch) oder ein Frühstücksei mit Eisesmiene nun nicht direkt hingeknallt, aber doch streng vorgesetzt zu bekommen.

Auch den Vergleich mit Stuttgart scheut der Frankfurter – noch einmal kurz allgemein gesprochen – zumindest weit weniger als den Vergleich mit Berlin, Hamburg, München und (sonderbar) Köln. Erhobenen Hauptes betritt er seinen schmucken Kopfbahnhof, spricht selten über die üblen Gerüche in den unteren Stockwerken und freut sich darüber, dass Frankfurt zwar eine Baustelle ist, auf der aber permanent andere Sachen gebaut werden. Andauernd wird auch etwas fertig, das dann ein paar Jahre später wieder weg kann.

Nur in den großen Schauspielpremieren macht es einmal keinen Unterschied, in welcher Stadt man sich ins Parkett schlängelt. Menschen sehen und erkennen sich wieder. Haben kürzlich Frau M. getroffen, aber das Gegenüber weiß gar nicht, wer Frau M. ist, aber war man nicht gemeinsam bei P.s, aber sind P.s nicht seit kurzem nicht mehr zusammen, aber ist das nicht schwierig für Frau P., die doch beruflich ringen muss. Berufliches Ringen, darunter können sich Frankfurter und Stuttgarter gleichermaßen eine Menge vorstellen, all die fleißigen Menschen, die Geld brauchen, um hier wohnen zu können und – wer weiß – demnächst wieder, wenn nicht mehr bei P.s, so doch bei L.s eingeladen zu werden. L.s winken aus ihrer Reihe, reizende Leute. Es ist sicher nicht zu allgemein ausgedrückt, dass eine Geschichte wie  „Ehen in Philippsburg“  elegant und logisch vom Parkett auf die Bühne übergeht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare