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Paprika eignet sich durchaus als Deko.
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Paprika eignet sich durchaus als Deko.

Times Mager

Paprika

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Wenn Gemüse im Busch hängt, kann nur einer dahinterstecken: Über einen geheimnisvollen Fremden, der im Büroviertel Akzente setzt.

Draußen am Busch hängt ein Ring Paprika. Ist das nicht seltsam? Da grübelt man auf dem Weg zum Büro darüber nach, was es in diesem Times mager Lohnenswertes zu berichten gäbe, und schon kommt die Inspiration in Form eines Paprikarings vorbei. Der Ring ist rot, das macht sich gut vor den grünen Blättern. Fragt sich also: Wer hat das Gemüse aus welchem Grund dorthin gehängt? Womit wir wieder bei dem entspannten Herrn wären, der an dieser Stelle schon einmal eine Rolle gespielt hat, einer, der mit Verpflegung vor einem Bürohaus an einer vierspurigen Straße auf einem schmalen Grasstreifen lag. Einem Ort also, der nicht gerade zum Verweilen einlädt. Er lag dort allerdings so lässig und jovial wie einer der Männer auf Manets „Frühstück im Grünen“.

Mittlerweile wurde dieser Herr hier bereits diverse Male gesichtet. Neulich löffelte er eine Suppe aus einer Plastikbox. Heute hatte er ein Tetrapack Weißwein neben sich stehen. Um halb zehn Uhr morgens ist das natürlich nicht ohne. Wenige Meter weiter die Paprika. Es steht zu vermuten, dass ihm jemand (und sei es die Bäckereifachverkäuferin) ein Käsebrötchen mit Paprikaring zubereitet hat, dessen Verzehr (also den des Gemüses) er ablehnte.

Auf die Idee, den Ring zu Dekorationszwecken zu verwenden, muss man allerdings erst einmal kommen. Eine Paprikascheibe hat ja durchaus eine attraktive, weil elegant geschwungene Form.

Oder hat er sie für die Vögel aufgehängt (statt Meisenring)? Beides zeugt von einer gewissen Empfindsamkeit seiner Umwelt gegenüber. Sie fragen sich jetzt vielleicht: „Warum spricht sie den Mann nicht endlich an?“ Das ist leicht zu beantworten: Weil er dann seine geheimnisvolle Aura verlöre. Heute haben wir uns immerhin zum ersten Mal kurz in die Augen geschaut.

Das Bürohaus, von dem hier die Rede ist, ist übrigens bis auf Bodenhöhe verglast, graue Vertikallamellen beeinträchtigen den Blick nach innen, wo man ein Großraumbüro erahnt. Nur an einer Stelle kann man hineinsehen, weil dort ein riesiger Plastiksack, aus dem etliche Plastikpfandflaschen hervorquellen, die Lamellen zur Seite schiebt. Der Angestellte, der es offenbar vor lauter Arbeit schon lange nicht mehr zum Penny gegenüber geschafft hat, ist sich vermutlich nicht bewusst, dass man sein Chaos von außen sieht, während er auf der Schreibtischplatte womöglich penibel Ordnung hält. Ist ihm nicht klar, dass auch die Chefin oder der Chef draußen an seiner Unordnung vorbeikommen könnte?

Der Paprika-Mann, soviel kann man vermutlich jetzt schon sagen, würde sich dergleichen nie erlauben. Er weiß, dass man aus wenig viel machen kann. Da reicht eine Pose, ein Blick, ein Ring Paprika.

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