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Times Mager

Papierzeit

Gäbe es nicht die Gebrüder Albrecht, die das Land in Aldi-Süd und Aldi-Nord aufteilen, man wüsste manchmal kaum, welchen Monatsnamen dieses Einheitsgrau da draußen trägt. Von Hans-Jürgen Linke

Nach ein paar Tagen mit winterlicher Anmutung haben wir uns wieder auf diese grau-feuchte Fünf-Grad-Wetterlage eingestellt, die die Zeit zwischen Oktober und April beherrscht. Und gäbe es nicht die verlässlichen Firmen der Gebrüder Albrecht, die das Land in Aldi-Süd und Aldi-Nord nicht völlig gerecht aufgeteilt haben, man wüsste manchmal kaum, welchen Monatsnamen dieses Einheitsgrau gerade trägt und wie es weitergeht. Die Aldi-Anzeigen in den Tageszeitungen sind als Begleiter durch das Jahr mit mittelfristig-prognostischer Qualität ausgestattet, geben nicht nur Informationen über das aktuelle Angebot, sondern enthalten auch Interpretationsvorschläge für die Witterung da draußen.

Darum vermittelt die aktuelle Aldi-Süd-Anzeige eine alarmierende Mischung aus Schrecken und trostloser Verzagtheit. Unter einer dünnen Schicht von Nahrungsmitteln wie Ananas (1,29), Eisbergsalat (0,59) und Convenience-Fleischgerichten (5,29 die 600-Gramm-Packung) finden wir Bürokram: Umschläge, Blöcke, einen Rolladenschrank, Aktenordner, Schreib- und Laminiergeräte. Wir müssen daraus den Schluss ziehen, dass sehr bald eine harte Jahreszeit anbricht: die Jahreszeit des Schreibtischaufräumens, des Ablegens, geordneten Wegwerfens und des Steuererklärens. Die neue Regierung lässt bisher nicht erkennen, dass sie uns von dem lästigen Belegesammeln und Formulareausfüllen befreien will. Statt dessen müssen wir bald Hotelrechnungen bei der Berechnung der Vorsteuer mit zwei verschiedenen Mehrwertsteuersätzen berücksichtigen, können wohlvertraute Angaben nirgends mehr unterbringen und müssen uns mit neuen Formularentwürfen vertraut machen, die wir am liebsten gleich dem Aktenvernichter (27,99) überantworten würden. Wieder werden allerlei Notizen gemacht (3 Leichtlaufkugelschreiber 1,59, Haftnotizwürfel 480 Blatt 0,99) und zu größeren Einheiten zusammengefass werden (500 Blatt Kopierpapier 2,99). Vielleicht aber werden die Zeiten dennoch besser. Die CD mit dem Steuerprogramm für 2009 kostet nur noch 4,99 Euro. Könnte das ein Zwischenschritt sein auf dem Weg in ein Utopia ohne Steuererklärung?

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