Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Panik

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
    schließen

Am Jahresende wird resümiert was einem tolles entgangen ist und es wird noch mal ordentlich Geld ausgegeben. Der Vorsatz im neuen Jahr lautet dann: Weniger Geld ausgeben! Von Arno Widmann

Am Jahresende gibt es Listen. In den Feuilletons wird aufgezählt, was das schönste Buch, die tollste DVD, die beste Aufnahme des Jahres war. Ich sehe, was mir entgangen ist und gebe noch einmal dick Geld aus. Anfang des Jahres mache ich dann meine eigene Liste. Punkt Eins ist: Weniger Geld ausgeben. Ich mache das jetzt ein halbes Jahrhundert lang. Jedes Jahr wieder. Unbelehrbar. Dabei fehlt mir die Einsicht nicht. Ich habe schon mehrmals versucht, die Listen zum Jahresende nicht wahrzunehmen. Das ist mir nie geglückt. Auf die Jahresanfangsliste dagegen habe ich schon öfter verzichtet. Das änderte aber nichts daran, dass ich Anfang Januar dann doch ein schlechtes Gewissen hatte. Im besten Fall. Wie oft musste ich mir bei Freunden Geld ausleihen für ein, zwei Monate, nur weil ich die Jahresendlisten gar zu ernst genommen hatte!

Es ist eine Sucht. Ich sollte sie behandeln. Nur wie? Ich weiß ja nicht einmal, was meine Sucht ist: die Listen? das Kaufen? Oder gar dieses Gefühl des Versagens, des Alles-ganz-falsch-gemacht-Habens, das sich, wenn das Konto mal wieder überzogen ist, so übermächtig vor mir, in mir aufbaut. Umberto Eco wies in einer in der FR veröffentlichten Liste von Kuriosa auf eine versifizierte Fassung von Napoléons Code Civil hin. Ich habe sie mir gekauft. Seit einer Woche blättere ich jeden Tag ein wenig in diesem Epos der Moderne. Jetzt musste der echte Code Civil dazu. Nicht aus dem Netz, sondern von Stroemfeld/ Roter Stern, zweisprachig. Natürlich ist es eine Sucht.

In zwei Jahren muss ich sie los sein. Was auch immer für eine Sucht es ist. Dann bin ich Rentner und werde mir nichts mehr leisten können. Schon gar nicht zum Beispiel die wunderbaren CD-Tipps der Kollegin Eleonore Büning. Sie hatte mich auf Philippe Jaroussky gebracht. Ich musste mir schnell alles von diesem Counter kaufen. Großartig! Ein Mille Grazie auch der Kollegin. Auch für den Hinweis auf Johann Christian Bach! Wunderbare Stunden. Aber teure Stunden. Teurer jedenfalls als meine Arbeitsstunden. Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Denn wäre man nicht tot, wenn man nicht mehr verführbar wäre, wenn einem schon das Zeug zum Verführer leider so völlig fehlt?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare