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Als hätten sie kein bequemes Sofa daheim.
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Als hätten sie kein bequemes Sofa daheim.

Times mager

Paarweise

Pärchen leben gut damit, dass sie es anderen nicht recht machen können. Sie können keine Gedanken lesen und merken es darum nicht.

Mit der Arbeit verheiratet zu sein, hat einen offensichtlich unbefriedigenden Aspekt. Auch die Novizin, die im Fernsehen mit der Unterzeile „Braut Jesu“ gezeigt wurde, wirkte zwar gutgelaunt, aber nicht euphorisch. Allerdings strotzte selbst die Frau, die am Samstag im schneeweißen Hochzeitskleid und mit einem properen Mann auf dem Bowling Green zu semiprofessionellen Fotoaufnahmen bereitstand, nicht vor Lebensfreude. Der Mann ebenfalls nicht.

Verheiratete Paare, die Arbeit und ich, die Novizin und der Sohn Gottes, die Wiesbadenerin und der Wiesbadener, haben es nicht leicht. Unverheiratete Paare, meist eher Pärchen genannt, haben es auch nicht leicht. Aber sie können keine Gedanken lesen und merken es darum nicht. Zudem ist es ihnen wurscht, was andere von ihnen halten. 1991 brachten die Lassie Singers Letzteres auf den Punkt. „Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch“. Natürlich ist das grob, aber wir waren damals alle noch ein gutes Stück jünger und brüsker. Für die meisten war es ohnehin das Lied für zwischendurch. Bestandteile von Paaren, die kurzzeitig (nach eigenem Bekunden: ab jetzt für immer, das ist auch viel spannender, und man lernt so viele nette Leute kennen und kann auch mal mit Mädels ausgehen) alleine auftreten, sind auch nicht gerade angenehm.

Weithin knallende Küsse

Aber zurück zu den paarweise auftretenden Pärchen. Heute muss man sogar davon ausgehen, dass einige mittlerweile geheiratet haben. Teils heimlich oder zumindest diskret. Denn trotzdem wollen sie sich in der U-Bahn weiterhin knallende Küsse geben, als hätten sie kein bequemes Sofa daheim. Was sind schluchzende Babys, was sind über das Handy geführte Fernbeziehungen, was sind dürftig isolierte Kopfhörer gegen knallende Küsse in der U-Bahn.

Auch wollen einige von ihnen trotzdem erzählen, was ihr Liebster dazu gesagt hat. Das ist merkwürdig, das Hineinschwappen des an sich gewitzten und originellen, alsbald aber unheimlich konventionellen Wortes in das gängigste Pärchenvokabular. Dabei lassen sich Menschen durch die Wendungen „ein Freund von mir“, „mein bester Freund“, „mein Freund“, „mein Mann“ und „mein Ex“ (nicht schön, aber exorzistisch) vortrefflich zuordnen. Vermutlich erschien den Pärchen „mein Freund“ irgendwann zu jugendlich und „mein Liebster“ reifer. Es kombiniert praktisch die Sorglosigkeit um Formalitäten mit anhaltender Leidenschaft und einem Schuss Ironie.

Das Gemaule dokumentiert ohnehin bloß, dass Pärchen es anderen nicht recht machen können. Pärchen leben gut damit. Ist auch okay.

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