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Ex-Torwart-Titan Oliver Kahn bezieht seine Echtheit aus einem alkoholfreien Weißbier und dem Satz: „Wenn das kein echtes Weißbier ist, bin ich Manuel Neuer.“
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Ex-Torwart-Titan Oliver Kahn bezieht seine Echtheit aus einem alkoholfreien Weißbier und dem Satz: „Wenn das kein echtes Weißbier ist, bin ich Manuel Neuer.“

Times mager

Original

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Achtung, „deepblue“ schaut Ihnen tief in die Augen, damit Sie original ein bisschen Geld verpulvern.

Erlauben Sie bitte ein offenes Wort: Sie mögen sich für ein einmaliges, unverwechselbares Individuum halten, ein Original sozusagen. Aber bedenken Sie bitte, dass Sie damit zwar womöglich recht haben, aber andererseits womöglich auch nicht. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts soll der Philosoph Johann Caspar Schmidt das Notwendige dazu gesagt haben: „Jeder Mensch wird als Original geboren, aber die meisten sterben als Kopie.“

Natürlich hat Herr Schmidt, bekannter unter dem Pseudonym Max Stirner, Sie nicht persönlich gemeint. Er ist schließlich bereits 1856 verstorben, als was auch immer. Aber lassen Sie sich seine Worte bitte dennoch eine Mahnung sein, falls Sie vorhaben sollten, den Rest Ihres Lebens als Original zu verbringen. Und noch ein Hinweis: Damit ist nicht dieses folkloristische „Original“ gemeint („bayerisches Original“, Seppelhose und so), sondern gemeint ist der Mensch als wahrhaftiges Individuum.

Im Fernsehen gibt es sehr sachdienliche Hinweise in Sachen Originalität, vor allem bei Bezahlsendern in Fußballpausen. Ex-Torwart-Titan Oliver Kahn zum Beispiel bezieht seine Echtheit und die Gewissheit seiner Einmaligkeit aus einem alkoholfreien Weißbier und einem Satz, den er, das Glas erhebend, mühsam memoriert wie eine Sechsjährige bei ihrer Bühnenpremiere als Veilchen: „Wenn das kein echtes Weißbier ist, bin ich Manuel Neuer.“

Aber es geht hier nicht um Torhüter, sondern um Sie, und ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Ihnen helfen nur Wetten. Sportwetten. „Mach Dich zum Original“, heißt der Slogan eines Anbieters, der von Ihnen, wenn Sie sich zum Original machen wollen, nichts anderes verlangt, als Ihre Kohle genau wie unzählige andere Originale bei seinem Glücksspiel zu verpfeffern.

Die Agentur, die sich den Humbug ausgedacht hat, heißt „deepblue“, wahrscheinlich deshalb, weil sie mit alkoholfreien Getränken nichts am Hut hat. Ihr „Business Director“ bemerkt nüchtern, sein Laden wolle die Glücksspiel-Anfix-Firma „noch mehr zu dem machen, was die Marke für viele heute schon ist: zu einem festen Bestandteil ihres Lifestyles. Das Original für alle Originale“.

Aber den Schlechte-Kopie-von-Max-Stirner-Wettbewerb gewinnt eindeutig „Kajetan Strini-Brown, Head of Acquisition“ beim Wettanbieter selbst: „Alles dreht sich um unsere Kernzielgruppe. Wir packen sie bei der Ehre, schauen ihr tief in die Augen und sagen: Du bist nicht irgendwer, also wette nicht irgendwo! Mach dich zum Original und wette beim Marktführer.“

Wenn dieser Marketing-Sprechautomat jemals zum Original wird, frisst Oliver Kahn einen alkoholfreien Besen.

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