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Oktopus Paul orakelte zur Fußball-WM 2010.

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Wo bist du, hellsichtiger, unbestechlicher Tintenfisch? Noch ist kein orakelndes Tier für die WM 2014 in Sicht.

In China wurden die – bisher – ältesten erhaltenen Hosen der Welt gefunden: 3300 Jahre ist in der Tat älter als die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien aussehen wird. Mit ihrer erdbraunen Farbe, dem breiten Beinschnitt und der hübschen Zick-Zack-Verzierung auf Höhe der Knie, der halben Wade und am unteren Saum sehen die Hosen aus wie die Blumenkindermode, die es Ende der Siebziger zusammen mit halblangen Zottelhaaren für die Jungs und Joan-Baez-Scheitel für die Mädchen auch in die bayerische Provinz geschafft hatte.

Allerdings war die Blumenkindermode nicht aus Leder (wie die chinesische Hose), sondern aus einem dünnen Stoff, der roch wie eine Chemiefabrik und auch nach Dutzenden von Wäschen so abfärbte, dass unklar war, wo die ganze Farbe eigentlich herkam. Wenn man, zum Beispiel, mit einer blauen indischen Blumenkind-Bluse in den Regen kam, dachten die eigenen Eltern, ein Marsmädchen sitzt am Mittagstisch.

Kleinhirnige Wesen schummeln seltener

Apropos blau: In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM und noch liest man nichts darüber, welches orakelnde Tier diesmal den verantwortungsvollen Job vom leider verblichenen Tintenfisch Paul übernehmen könnte. Es sollte eine Tierart mit kleinem Gehirn sein, denn je größer das Gehirn, so eine wissenschaftliche Erkenntnis, desto mehr wird geschummelt. Auch gehen Kreativität und Schummelei, jedenfalls beim Menschen, Hand in Hand. Außerdem wird umso doller betrogen, je mehr man sieht, wie andere damit durchkommen.

Also könnte doch jemand, käme es zu einem intelligenten Primaten-Orakel, versuchen, Gorilla Theo oder Makake Samantha zu bestechen (Bestechung liegt im Fußball so nah, quasi vor den Füßen, dass man dafür nicht mal kreativ sein muss). Und prompt greifen Theo oder Samantha nur noch zu Bananen aus Katar. Katar würde also die WM gewinnen, obwohl es gar nicht mitspielt. Und schon würden Übelmeinende behaupten, im Fußball gehe nicht alles mit rechten Dingen zu.

In Brasilien soll indessen Márcia Fernandes, „Superstar der brasilianischen Szene“ (gemeint ist die Esoterik-Szene), kürzlich eine Vision von Jogi Löw mit Pokal gehabt haben. Ein Raunen soll in Sao Paulo durch die „Mystikfair“ gegangen sein, als die Hellseherin den WM-Sieg Deutschlands vorhersagte. Allerdings, ehe nun hierzulande alle die Fähnchen, die schwarz-rot-goldenen Autoaußenspiegelhüllen auspacken und die Sammelbildchen teuer rahmen lassen: Wahrsager haben sich seit Menschengedenken, mindestens seit Erfindung der Hose, in der Regel geirrt. Tintenfische eher nicht.

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