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Matthias Fornoff, Minimalmotoriker und Vergangenheits-Optimist.

Times mager

Optimismus

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Matthias Fornoff nutzt das ZDF-"Politbarometer" für überraschende Einsichten.

Die Künstliche Intelligenz ist ja bekanntlich nicht mehr aufzuhalten, sie wenigstens nicht. Sogar Fernsehsendungen werden inzwischen von Robotern moderiert, aber es gibt auch bereits eine höhere Stufe der Menschheitsentwicklung: Fernsehsendungen werden von Menschen moderiert, die perfekt den Eindruck erwecken, sie seien Roboter. Matthias Fornoff zum Beispiel.

Matthias Fornoff ist der Mann, der sich 1997 wagemutig den (und in die) Fluten des Oderhochwassers stellte. Seitdem ging es nur bergauf, bis an die Spitze der ZDF-Redaktion – nein, „Hauptredaktion!“ – für Politik und Zeitgeschehen. Vor allem aber präsentiert Matthias Fornoff das „Politbarometer“, und Freunde der „heute-show“ sind sehr froh, dass sie schon kurz vor ihrer Lieblingssendung ein derart lustiges Programm geboten bekommen.

Da ist zwar nichts zu sehen von den ballettuösen Schritten, mit denen der Touchscreen-Tänzer Jörg Schönenborn im Ersten von links nach rechts schwebt und zurück. Aber dafür steht ein Matthias Fornoff da wie angeschraubt, die Augen beim Sprechen weit aufgerissen, und nur die millimetergenau choreografieren Minimaldrehungen beim Wechsel von Kamera zu Kamera lassen erahnen, dass der Mann über eine vertikale Achse verfügt.

Nun gehört es zu den hervorstechenden Eigenschaften des Menschen, dass er sich der Existenz von Zeit und damit auch der eigenen Endlichkeit bewusst ist. Wahrscheinlich hat der Mensch diese Eigenschaft sogar der Künstlichen Intelligenz voraus, und kein anderer als Matthias Fornoff hat jetzt bewiesen, zu welch gewagten Spielzügen des Intellekts das führen kann.

„Wie in den Vorjahren“, sagte der Hauptredaktionsleiter beim jüngsten Politbarometer, „blicken die Menschen optimistisch auf das Jahr zurück“. Merken Sie etwas? Optimistisch zurückblicken! Kein Roboter käme je auf diese geniale Idee. Kein Roboter, und sei er noch so künstlich intelligent, könnte sich die Deutschen als optimistisch zurückblickendes Volk vorstellen. Als ein Volk von Menschen, die einander am 31. Dezember, „Prost Altjahr“ brüllend, in den Armen liegen. Ein Volk, das der längst erfolgten Ablösung von Angela Merkel an der Spitze der CDU erwartungsvoll entgegenblickt. Ein Volk, dessen Frischvermählte sich nach der Hochzeitsnacht verliebt betrachten und hauchen: „Gestern wird der schönste Tag meines Lebens.“

Ja, die Zeit fließt, nicht anders als die wilde Oder, und manchmal fließt sie eben rückwärts wie das Wasser, wenn die Flut wieder weicht. Und es mag den Minimalmotoriker Matthias Fornoff der düstere Gedanke getrieben haben, dass es noch schlechter kommen könne im Jahr 2019, so dass so etwas wie Optimismus sich wenn, dann nur in Umdrehung des Zeitenlaufs entwickeln könne. Oder er hat sich gar nichts gedacht. Aber auch das wäre ja, immerhin, keine Künstliche Intelligenz.

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